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DFG-Senatskomission für Zukunftsaufgaben der GeowissenschaftenDFG-Senatskomission für Zukunftsaufgaben der Geowissenschaften
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1.1 – Bedeutung der Geowissenschaften

Die globale Veränderung des Klimas und der Umwelt ist eine der großen Herausforderungen der Menschheit, zu deren Bewältigung die Geowissenschaften einen entscheidenden Beitrag leisten können. Sie können Szenarien entwerfen, wie sich unsere Umwelt in Zukunft entwickeln wird und zeigen, wie sich unerwünschte Veränderungen mildern oder verhindern lassen.

Geowissenschaftliche Forschung kann helfen, die Versorgung mit wichtigen Rohstoffen wie Metallen, fossilen Energieträgern und Wasser zu sichern. Die Veränderung des Klimas steht gegenwärtig im Fokus des öffentlichen Interesses, aber die Sicherung der Rohstoffversorgung wird in der Zukunft eine ähnlich große Herausforderung sein. Die meisten leicht zugänglichen Lagerstätten von Erdöl, Erzen und anderen Rohstoffen sind seit langem bekannt und größtenteils ausgebeutet. Diese Rohstoffe stehen dem Menschen nur in begrenzter Menge zur Verfügung und sind entsprechend sparsam einzusetzen. Aufgrund der heute bekannten Lagerstätten ist nicht nur bei Erdöl, sondern auch bei wichtigen Metallen und Industriemineralen bereits in wenigen Jahrzehnten eine Verknappung zu erwarten. Versorgungsengpässe können auf mittlere Sicht nur durch die intensive Suche nach neuen Lagerstätten vermieden werden. Diese Lagerstätten werden aber schwerer zugänglich, schwerer zu finden und schwieriger abzubauen sein als dies heute der Fall ist. Um diese Ressourcen nutzbar zu machen, müssen zum einen neue Technologien entwickelt werden. Zum anderen ist es notwendig, die Kenntnisse über die Entstehung von Lagerstätten zu erweitern, um auch bisher unbekannte Vorkommen zu entdecken. Als Nebeneffekt dieser Entwicklung werden zukünftig Lagerstätten in Deutschland genutzt, die bisher nicht abbauwürdig erschienen. Damit rücken die nationalen Ressourcen zwar wieder in den Vordergrund, doch die Rohstoffversorgung der deutschen Industriegesellschaft hängt maßgeblich vom internationalen Markt ab. Um die Versorgung zu sichern, ist Know-how notwendig. Doch Forschung und Ausbildung wurden in Deutschland in den letzten Jahren vernachlässigt. Dieses Defizit muss nun ausgeglichen werden.

Versorgung mit Rohstoffen

Naturkatastrophen erscheinen oft als völlig unvorhersehbar und nicht beherrschbar. Die geowissenschaftliche Forschung hat in den vergangenen Jahrzehnten jedoch bei der Vorhersage von Vulkaneruptionen gewaltige Fortschritte erzielt. Sowohl der Zeitpunkt als auch die Auswirkungen von Vulkaneruptionen lassen sich mittlerweile in den meisten Fällen zuverlässig vorhersagen. Auch die Vorhersage katastrophaler Massenbewegungen wie von Berg­stürzen und Schlammströmen ist wesentlich zuverlässiger geworden. Demgegenüber ist eine Vorhersage von Erdbeben gegenwärtig noch nicht möglich. Dagegen sind mögliche Erdbebenherde und die zu erwartende Stärke der Erschütterungen relativ gut bekannt, so dass durch geeignete Baumaßnahmen Schutzvorkehrungen getroffen werden können.

Naturkatastrophen

Die Erde gesehen vom Weltall. Unter allen Planeten des Sonnensystems besitzt sie als einziger Ozeane und flüssiges Wasser auf der Oberfläche. Wasser ist nicht nur entscheidend für die Existenz von Leben, sondern auch für die Entstehung von Magmen tief im Erdinneren. Die Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre, Ozeanen, der Lithosphäre und dem tiefen Erdinnern ist ein zentrales Thema der modernen Geowissenschaften. (Bild: National Aeronautics and Space Administration (NASA) / Jet Propulsion Laboratory (JPL), Caltech, Pasadena)

Die Bedeutung der Geowissenschaften für die Gesellschaft wird in der Öffentlichkeit, aber auch in der Politik und in der Leitung mancher Hochschulen nicht immer angemessen wahrgenommen. Ebenso wenig wird erkannt, dass die Geowissenschaften sich in den letzten zwanzig Jahren stark gewandelt haben. Bis vor wenigen Jahrzehnten waren die Geowissenschaften weitgehend deskriptiv.Sie beschrieben Phänomene, deren tiefere Zusammenhänge oft wenig verstanden waren. Eine Konsequenz hiervon war die Zersplitterung in zahlreiche einzelne Teildisziplinen. Dieser Zustand hat sich mittlerweile radikal geändert. Die modernen Geowissenschaften haben sich zu einer quantitativen Naturwissenschaft ähnlich der Physik oder der Chemie entwickelt. Prozesse, die an der Erdoberfläche oder im Erdinneren ablaufen, können mittlerweile in vielen Fällen von der atomaren bis zur planetaren Skala mathematisch modelliert werden. Grundlage hierfür ist ein tiefgehendes physikalisches Verständnis der Dynamik unseres Planeten. Vorgänge im tiefen Erdinneren steuern Prozesse an der Erdoberfläche bis hin zur Entwicklung des Lebens. Subtile Änderungen im Klima beeinflussen umgekehrt das Wachstum von Gebirgen; Plattenverschiebungen in der geologischen Vergangenheit haben möglicherweise Spuren im Kern der Erde hinterlassen. Die Erkenntnis der Wechselbeziehungen über unterschiedliche Skalen von Zeit und Raum in diesem komplexen System Erde hat zu einem völlig neuen Bild der Dynamik unseres Planeten geführt und gleichzeitig die Grenzen zwischen den einzelnen geowissenschaftlichen Teildisziplinen weitgehend zum Verschwinden gebracht.

Quantitative Naturwissenschaften

Die Erkenntnisse geowissenschaftlicher Forschung geben Antworten auf grundlegende philosophische Fragen unserer Existenz: Wer sind wir, warum sind wir hier, woher kommen wir? Der Beitrag der Geowissenschaften zu unserem Selbstverständnis und unserem Weltbild ist ebenso wichtig wie der Beitrag von Physik, Chemie oder Biologie. Die Untersuchung von Fossilien liefert den unmittelbaren Beleg dafür, dass der Mensch das Resultat einer langen und in vieler Hinsicht durch Zufälle geprägten Evolution ist. Ein tieferes Verständnis der Dynamik und der historischen Entwicklung der Erde kann erklären, warum die Erde eine einsame Oase im Weltall ist und ob es weitere solcher Oasen im Universum geben könnte.

zuletzt geändert am 2014-08-26 11:05:00 durch Jana Stone | Impressum