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DFG-Senatskomission für Zukunftsaufgaben der GeowissenschaftenDFG-Senatskomission für Zukunftsaufgaben der Geowissenschaften
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12.4 – Nationale und internationale Strukturen und Integration

Nationale Forschungsförderung

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ist die zentrale Forschungsförderungsinstitution in Deutschland und wichtigster Drittmittelgeber. Sie unterstützt insbesondere die Grundlagenforschung an den deutschen Universitäten. Neben der breiten Forschungsförderung gehört es auch zu den Aufgaben der DFG, die Zusammenarbeit unter den Forschern zu stärken. Sie stimuliert die fach- und ortsübergreifende Vernetzung von Forschungsaktivitäten und pflegt auch Verbindungen zu ausländischen Wissenschaftsorganisationen. Die DFG verfügt über eine Vielzahl von Förderinstrumenten, zum Beispiel Forschergruppen, Schwerpunktprogramme, Sonderforschungsbereiche, DFG-Forschungszentren, Graduiertenkollegs und verschiedene Programme für den wissenschaftlichen Nachwuchs. 2008 stellte die DFG insgesamt 139,3 Millionen Euro für geowissenschaftliche Projekte (einschließlich Geografie) zur Verfügung.

Deutsche Forschungsgemeinschaft

Sowohl die institutionelle Förderung der außeruniversitären Forschung als auch die Projektförderung des BMBF sind für die Geowissenschaften von zentraler Bedeutung. Im Jahr 2004 hat das BMBF die „Erdsystemforschung” einschließlich des Forschungsschiffs Polarstern mit insgesamt 252 Millionen Euro ausgestattet. Das Ministerium trägt außerdem die Betriebskosten für das Forschungsschiff Sonne und 30 Prozent der Betriebskosten für die Forschungsschiffe Meteor und Maria S. Merian. Die restlichen Mittel werden jeweils von der DFG getragen. Damit beteiligt sich das BMBF wesentlich am Unterhalt der deutschen Forschungsflotte. Gegenwärtig fokussiert das BMBF seine thematisch sehr diversifizierte Projektförderung stärker und bündelt sie in Rahmenprogrammen.

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Das Rahmenprogramm „Forschung für Nachhaltigkeit” (fona) wird von 2004 bis 2009 jährlich mit circa 160 Millionen Euro gefördert. Für die Geowissenschaften sind hier vor allem die Aktionsfelder „Nachhaltige Nutzungskonzepte für Regionen“ und „Konzepte für eine nachhaltige Nutzung von natürlichen Ressourcen“ von Interesse. Sie beschäftigen sich mit den Themen „Urbane Räume“, „Sensible Räume“ und „Nachhaltiger Umgang mit der Ressource Wasser“. In den Forschungsprojekten geht es um Megacities, um die nachhaltige Entwicklung von Küstenzonen oder um Wasserforschung in semiariden Gebieten und das Hochwasser­management, um nur einige Beispiele zu nennen.

Forschung für Nachhaltigkeit

Ein zweites BMBF-Rahmenprogramm befindet sich zurzeit noch in der Planung. Es wird sich verstärkt dem aktuellen Klimawandel und seinen Folgen zuwenden. Dabei soll auch die Erdsystemforschung in Deutschland strategisch gebündelt werden.

Mit dem strategisch ausgerichteten FuE-Programm Geotechnologien, das gemeinsam vom BMBF und der DFG getragen und finanziert wird, leisten die deutschen Geowissenschaftler einen maßgeblichen Beitrag zu der großen Zukunftsaufgabe der Geowissenschaften. Diese Aufgabe besteht darin, die Erde als unseren Lebensraum besser zu verstehen, ihre Ressourcen nachhaltig zu nutzen und die Umwelt zu schützen. Das Programm wird seit dem Jahr 2000 gefördert und ist auf eine Laufzeit von zehn Jahren angelegt. Die Gesamtfinanzierung beläuft sich auf etwa 250 Millionen Euro. Geotechnologien umfasst 13 innovative FuE-Schwerpunkte, die von besonderer wissenschaftlicher, gesellschaftspolitischer und wirtschaftlicher Relevanz sind. In den Schwerpunkten arbeiten universitäre und außeruniversitäre Forschung vernetzt zusammen, und es findet eine enge Kooperation mit Partnern aus der Industrie statt. Neun der 13 Schwerpunkte werden inzwischen in größeren Verbundprojekten bearbeitet. Die bisherigen Projekte haben zu der wichtigen Erkenntnis geführt, dass Themen und angestrebte technologische Neuentwicklungen so komplex sind, dass in der Regel größere Verbundprojekte erforderlich sind. Diese Projekte sind nur zu realisieren, wenn die Geowissenschaften noch stärker mit den Nachbardisziplinen der Natur- und Ingenieurwissenschaften, mit der Industrie und den Sozialwissenschaften zusammenarbeiten.

GEOTECHNOLOGIEN

Geowissenschaftliche Forschung in Europa

Auf europäischer Ebene spielen für die Geowissenschaften vor allem die European Science Foundation (ESF) und die EU-Kommission eine wichtige Rolle.

Die European Science Foundation (ESF) mit Sitz in Straßburg ist die Vereinigung der nationalen Förderorganisationen und Akademien Europas. Sie umfasst derzeit 80 Forschungsförderungsorganisationen aus 30 Ländern als tragende Mitglieder. Deutsche Mitglieder sind die DFG, die Max-Planck-Gesellschaft sowie die Helmholtz-Gemeinschaft. Für die Geowissenschaften sind vor allem die beiden Gremien „Life, Earth and Environmental ­Sciences” (LESC) und „Physical and Engineering Sciences” (PESC) von Bedeutung. Bei den Fachausschüssen sind geowissenschaftliche Belange im ESF „Marine Board”, im „European Polar Board” und im „European Space Science Committee” vertreten.

European Science Foundation

Mit dem Instrument EUROCORES (ESF Collaborative Research Programmes) wird eine themenbezogene Zusammenarbeit über die Ländergrenzen hinweg gefördert. Die Förderung erfolgt über gemeinsam ausgeschriebene und begutachtete Koopera­tionsprogramme, die bisher durch die jeweiligen Teilnehmerorganisationen getrennt finanziert werden. Mittelfristig soll hier das Prinzip des „Common Pot“ eingeführt werden. Das ist ein zentrales Budget, in das die beteiligten nationalen Organisationen bei der Einrichtung eines EUROCORES einzahlen. Daraus werden dann die zu fördernden Projekte finanziert. Geowissenschaftliche ­EUROCORES-Programme sind „Challenges of Biodiversity Science“ (EuroDIVERSITY), „Ecosystem Functioning and Biodiversity in the Deep Sea“ (EuroDEEP), „Climate Variability and the (past, present, and future) Carbon Cycle“ (EuroCLIMATE), „European Mineral Sciences Initiative“ (EuroMinScl), „Challenges of Marine Coring Research“ (EuroMARC), „4-D Topography Evolution in Europe: Uplift, Subsidence and Sea Level Change“ (TOPO-EUROPE).

EUROCORES

Die Vergabe von Forschungsmitteln aus dem Budget der Europäischen Union (EU) erfolgt in Forschungsrahmenprogrammen. Sie legen die wissenschaftlichen und technologischen Ziele, die Forschungsprioritäten und die vorläufige Aufteilung der Mittel sowie die Einzelheiten der finanziellen Beteiligung der EU fest. Das zentrale Ziel der Rahmenprogramme besteht darin, die wissenschaftlichen und technologischen Grundlagen der Industrie in der europäischen Gemeinschaft zu stärken und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu fördern. Gleichzeitig unterstützen die Rahmenprogramme Forschungsmaßnahmen, die die gemeinschaftliche Politik der EU zum Beispiel in den Bereichen Umwelt-, Energie- oder Klimapolitik für erforderlich hält. Hier steht die grenz­überschreitende Forschung und Entwicklung im Vordergrund.

Europäische Union

Im 7. Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Kommission (7. FRP, 2007 – 2013, Gesamtbudget: 53,3 Milliarden Euro) sind die Geowissenschaften vor allem bei den Themen Energie, Umwelt, Klimawandel und Gesundheit gefragt. Sie können an Förderinstrumenten im Bereich Zusammenarbeit teilnehmen. Von besonderem Interesse ist der im 7. Rahmenprogramm neu eingerichtete Europäische Forschungsrat (ERC), der erstmals die Grundlagenforschung ohne inhaltliche Vorgaben EU-weit fördert. Er ist daher unabhängig von politischer Einflussnahme. Der ERC fördert zurzeit zwei Programme: die ERC Starting Independent Research Grants für Nachwuchswissenschaftler und die Advanced Investigators Grants für bereits etablierte Wissenschaftler.

7. FRP

Koordination der geowissenschaftlichen Forschung

Die DFG hat 1968 die Senatskommission für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben eingerichtet, kurz Geokommission. Sie soll die DFG und ihre Gremien in geowissenschaftlichen Fragen und bei Entscheidungen über neue geowissenschaftliche Forschungsprogramme beraten. Von Beginn an hat sie auch die Funktion übernommen, die fachübergreifende Zusammenarbeit in den Geo­wissenschaften zu stärken, geowissenschaftliche Forschungsvorhaben und große Programme zu initiieren sowie geowissenschaftliche Forschungsaktivitäten national wie international zu begleiten. Ein Beispiel dafür ist das Kontinentale Tiefbohrprogramm (KTB), das erste nationale Großforschungsprojekt in den Geowissenschaften. Die Senatskommission hat auch das Konzept für das Programm Geotechnologien erarbeitet, den Aufbau eines „German Center for Scientific Earthprobing“ (GESEP) vorgeschlagen und die hier vorliegende Strategieschrift verfasst. Die Geokommission nimmt eine zentrale Rolle in der Koordination deutscher Geoforschung ein, zum Beispiel beim Integrated Ocean Drilling Program (IODP) oder beim International Continental Drilling Program (ICDP).

Geokommission der DFG

2002 wurde das außerordentlich erfolgreiche „Jahr der Geowissenschaften” mit finanzieller Unterstützung des BMBF bundesweit durchgeführt. Die deutschen Geowissenschaftler haben ihre Chance genutzt, der Öffentlichkeit und der Politik die Bedeutung ihrer Forschung für Wirtschaft und Gesellschaft nahezubringen. Für die inhaltliche Gestaltung und die Gesamtkoordination der Aktivitäten war die 1980 gegründete Alfred-Wegener-Stiftung zur Förderung der Geowissenschaften (AWS) verantwortlich. Sie wurde 2004 in GeoUnion Alfred-Wegener-Stiftung umbenannt.

Die GeoUnion repräsentiert über 40.000 Mitglieder und wird von 33 Mitglieds­einrichtungen getragen, darunter 27 geowissenschaftliche und geo­graphische Gesellschaften und Vereinigungen sowie alle großen, geowissenschaftlich orientierten außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Die Aufgaben und Ziele der GeoUnion bestehen darin, die Einheit der Geowissenschaften zu stärken. Sie fördert zudem den Dialog zwischen Geowissenschaften, Öffentlichkeit und Politik. Es fällt auch in das Aufgabengebiet der GeoUnion, geowissenschaftliche Forschungsergebnisse und Sachverhalte an Schulen zu vermitteln und die Kontakte zu Wirtschaft und Industrie auszubauen. Mit ihren Workshops zu den „Perspektiven der Geowissenschaften im 21. Jahrhundert” hat die GeoUnion wichtige Beiträge zur gegenwärtigen Diskussion über die Zukunftsaufgaben der Geowissenschaften und die großen Herausforderungen in der Forschung geleistet.

GeoUnion

Anfang 2004 wurde das Konsortium Deutsche Meeresforschung (KDM) gegründet. Ihm gehören alle maßgeblichen Meeresforschungseinrichtungen in Deutschland an: die Helmholtz-Zentren für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven sowie für Küsten­forschung in Geesthacht, die Leibniz-Institute für Meereswissenschaften in Kiel und für Ostseeforschung in Warnemünde, das Forschungsinstitut Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven, das MPI für Marine Mikrobiologie in Bremen, das MPI für Meteorologie in Hamburg, das Zentrum für Marine Tropenökologie in Bremen, das MARUM Zentrum für Marine Umweltwissenschaften in Bremen, die Jacobs University Bremen, das ICBM Institut für Chemie und Biologie des Meeres der Universität Oldenburg, das Zentrum für Meeres- und Klimaforschung der Universität Hamburg, das Deutsche Meeresmuseum Stralsund sowie das Department Maritime Systeme, Interdisziplinäre Fakultät der Universität Rostock. Die großen europäischen Einrichtungen wie das französische Meeresforschungsinstitut IFREMER, das britische National Oceanography Centre Southampton, das portugiesische CIIMAR Centre of Marine and Environmental Research in Porto und die Universität Bergen, Norwegen, haben Beobachterstatus. Das KDM hat die Aufgabe, die deutschen Meeresforschungsaktivitäten unter Einsatz der Forschungsschiffe zu koordinieren und die Forschungsförderung strategisch zu planen. Außerdem koordiniert sie das Infrastruktur-Management und die Öffentlichkeitsarbeit. Das KDM vertritt etwa 2.500 in der Meeresforschung tätige Mitarbeiter und unterhält eine Geschäftsstelle im Berliner Wissenschaftsforum sowie eine Außenstelle in Brüssel.

Konsortium Deutsche Meeresforschung

Als Forum zur „globalen intellektuellen Zusammenarbeit” besitzt die UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) das breiteste Programmspektrum aller UN-Sonderorganisationen. Das Programm ist in sechsjährigen, mittelfristigen Strategien festgelegt und umfasst die Aufgabenbereiche Bildung, Wissenschaften, Kultur sowie Kommunikation und Information. Das Wissenschaftsprogramm der UNESCO konzentriert sich auf die Naturwissenschaften und auf die Sozial- und Humanwissenschaften. Seine Leitidee ist die Nachhaltigkeit. In den Naturwissenschaften fördert es vor allem die zwischenstaatliche Zusammenarbeit auf den Gebieten Ozeanographie, Hydrologie, Geologie und Umwelt. Mit wissenschaftlichen Langzeitprogrammen trägt die UNESCO dazu bei, den menschlichen Lebensraum zu erforschen und zu schützen. Das Programm „Der Mensch und die Biosphäre” (MAB) fördert die internationale Zusammenarbeit in der Umweltforschung. In der Zwischenstaatlichen Ozeanographischen Kommission (IOC) geht es um die Meeresforschung und den Aufbau von marinen Diensten, beim Internationalen Geowissenschaftlichen Programm (IGCP) um die Erforschung erdgeschichtlicher Vorgänge und im Internationalen Hydrologischen Programm (IHP) um die Erforschung des Wasserkreislaufs und die Bewirtschaftung von Süßwasservorkommen.

UNESCO

Der 1931 gegründete International Council for Science (ICSU) gehört zu den größten regierungsunabhängigen Wissenschaftsorganisationen der Welt. Er koordiniert ein breites Spektrum von Forschungsarbeiten zu großen Themen, die Wissenschaft und Gesellschaft betreffen. Der Council koordiniert die internationale Zusammenarbeit in den Geowissenschaften und legt Schwerpunkte auf Meeres-, Klima-, Umwelt- und Polarforschung. Mitglieder des ICSU sind 30 internationale Fachgesellschaften und 117 nationale Forschungs- und Förderorganisationen. Deutsches Mitglied ist seit 1952 die DFG. Für die meisten der insgesamt 30 Fachgesellschaften des ICSU bestehen deutsche Nationalkomitees, die personell von den relevanten Fachgesellschaften besetzt werden. Herausragende Programme in der Vergangenheit waren das International Geophysical Year 1957/58 und das International Biological Programme. Zu den größeren laufenden Aktivitäten gehören die Global Environmental Change-Programme: (1) das International Geosphere-Biosphere Programme (IGBP): A Study of Global Change, (2) das World Climate Research Programme (WCRP), (3) DIVERSITAS: An International Programme of Biodiversitiy Science und (4) das International Human Dimensions Programme on Global Environmental Change (IHDP). Seit mehr als hundert Jahren bündelt das International Polar Year weltweit Forschungskapazitäten und Lo­gistik, um in fächerübergreifender Zusammenarbeit die Polargebiete der Erde weiter zu erforschen. Während sich die wissenschaftlichen Untersuchungen in den vergangenen Internationalen Polarjahren (1882/1883 und 1932/1933) und dem Internationalen Geophysikalischen Jahr (1957/1958) auf die geographische, meteorologische und geophysikalische Erkundung der Polargebiete konzentrierten, fanden von 2007 bis 2009 wesentlich breiter angelegte geo- und klimawissenschaftliche, biologische und auch soziologische Untersuchungen statt.

International Council for Science

Große internationale geowissenschaftliche Kooperationsprogramme

Das International Geoscience Programme (IGCP) wurde 1972 von der UNESCO und der International Union for Geological Sciences (IUGS) ins Leben gerufen. Es gehört mit über 400 Einzelprojekten und Wissenschaftlern aus mehr als 150 Ländern zu den besonders erfolgreichen internationalen Kooperationsprogrammen der Geowissenschaften. Die Projekte decken ein breites Spektrum aktueller geowissenschaftlicher Fragestellungen ab und sind folgenden Themenbereichen zugeordnet: Stratigraphie, Sedimentologie, Fossile Brennstoffe, Quartärgeologie, Umwelt- und Ingenieurgeologie, Mineralische Lagerstätten, Petrologie, Vulkanologie, Geochemie und Geophysik, Strukturgeologie sowie Katastrophenforschung.

IUGS

Neue Forschungsthemen wie Klimawandel, Wassermangel oder alternative Energien rückten die gesellschaftliche Relevanz der geo­wissenschaftlichen Forschung in den letzten Jahren stärker in den Vordergrund. In vielen Mitgliedsländern, auch in Deutschland, bestehen Nationalkomitees für das IGCP. Deren Aufgabe ist es, neue Projekte zu stimulieren, Wissenschaftler an laufende Vorhaben heranzuführen und nationale IGCP-Aktivitäten zu koordinieren. Die DFG unterstützt einen großen Teil der Forschungsvorhaben in Deutschland, die in internationale IGCP-Projekte eingebunden sind.

IGCP

Die von der ICSU initiierte und koordinierte Forschung zum globalen Wandel umfasst verschiedene Einzelkomponenten. Im International Geosphere-Biosphere Programme (IGBP) steht die integrierende Untersuchung des Systems Erde im Vordergrund. Ein Schwerpunkt besteht darin, Stoffflüsse zwischen den Erd­systemkomponenten Biosphäre, Atmosphäre und Ozean zu erfassen. Das World Climate Research Programme (WCRP) ist ein Langfristprogramm, in dem die Wechselwirkungen im gekoppelten System Atmosphäre-Ozean-Land für Zeitskalen bis zu Jahrhunderten erforscht werden. Dabei sollen Extremereignisse besonders berücksichtigt werden. Das Biodiversitätsforschungsprogramm ­DIVERSITAS befasst sich in den kommenden Jahren damit, globale Veränderungen und ihre Folgen zu überwachen, zu analysieren und Wege zu finden, mit den Veränderungen umzugehen. Das International Human Dimensions Programme (IHDP) soll die Erdsystem-Perspektive in die Kategorien der sozialwissenschaftlichen Disziplinen integrieren und transformieren.

Um die Forschung zum globalen Wandel in Deutschland zu koordinieren, wurde in enger Abstimmung zwischen der DFG und dem BMBF das Nationale Komitee für Global Change Forschung (NKGCF) eingerichtet. Zu den wesentlichen Aufgaben des Komitees gehört es, die internationale Programmentwicklung zu analysieren, innovative Forschungsansätze einzubringen und auf die europäischen wissenschaftlichen Programme der Global Change-Forschung Einfluss zu nehmen.

Nationales Komitee für Global Change Forschung

Durch seine forschungsbezogene und programmberatende Funktion unterscheidet sich die Aufgabenstellung des Nationalkomitees wesentlich vom politikberatenden Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU). Global zu behandelnde Themenschwerpunkte der Zukunft sind Schwankungsbreiten und Trends im Erdsystem, Stoffflüsse im Erdsystem sowie „Global Change and Governance“. Die regionalen Auswirkungen des globalen Wandels erfordern es, folgende Themenkomplexe vorrangig zu bearbeiten: (1) integrative Analyse und Management von menschlichen Lebensräumen sowie (2) Stabilisierung und Rehabilitation von ­Ressourcen und Funktionen in degradierten Ökosystemen.

Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung

Internationale Bohrprogramme

Wissenschaftliche Bohrungen sind ein unverzichtbares Instrument der modernen geowissenschaftlichen Forschung. Sie sind essenziell, um die im System Erde ablaufenden Prozesse verstehen zu können. Deutsche Geowissenschaftler sind maßgeblich an den drei großen, derzeit laufenden internationalen Bohrprogrammen, dem Integrated Ocean Drilling Program (IODP), dem International Continental Scientific Drilling Program (ICDP) und dem European Project for Ice Coring in Antarctica (EPICA) beteiligt. Sie haben wesentlich dazu beigetragen, die Forschungsstrategie und die wissenschaftlichen Zielsetzungen zu formulieren.

Integrated Ocean Drilling Program

Seit über 30 Jahren betreibt eine internationale Gemeinschaft von Forschungsinstitutionen geowissenschaftliche Bohrungen in allen Weltmeeren. Das Ocean Drilling Program ODP, das im Oktober 2003 auslief, gilt als eines der gelungensten Beispiele für eine erfolgreiche internationale Wissenschaftskooperation. Mit neuen Zielen und neuen Methoden setzt das Integrated Ocean Drilling Program (IODP) seit 2003 den bisherigen erfolgreichen Ansatz der Meeresbohrungen fort. Die Bohrungen zielen darauf ab, die Klimaentwicklung, die Entstehung von Erdbeben oder die hydrothermale Veränderung der ozeanischen Erdkruste zu erforschen. Dazu kommen zahlreiche weitere Aspekte, wie zum Beispiel die Erforschung der „Tiefen Biosphäre“ oder von Methan-Gashydraten. Im September 2009 findet in Bremen die internationale Konferenz INVEST (IODP New Ventures in Exploring Scientific Targets) statt, um die Grundlagen für einen neuen Wissenschaftsplan nach 2013 zu diskutieren und zu formulieren.

Im IODP stellen die USA mit der Joides Resolution ein bewährtes Bohrschiff zur Verfügung. Hinzu kommt mit der Chikyu ein neu gebautes japanisches Schiff mit innovativer Technologie. Die USA und Japan sind gleichberechtigte „Lead Agencies“ des Programms, wobei das European Consortium for Ocean Research Drilling ECORD mit 16 Mitgliedsländern und eigenen Bohrprojekten das dritte Standbein des IODP darstellt. Mit der Bohrtechnik des japanischen Forschungsschiffes Chikyu können mit der Riser-Technologie auch tiefere Bereiche der Subduktionszonen erreicht werden. Die von den Europäern durchgeführten Bohrprojekte zielen in erster Linie darauf, die eisbedeckten polaren Meeresregionen und Flachwassergebiete zu erkunden. Bei einer ersten großen Bohrexpedition in den Arktischen Ozean im Sommer 2004 konnte eine 430 Meter mächtige Folge von Sedimenten erbohrt werden, in denen die Klimaentwicklung der hohen Breiten seit der Oberkreide dokumentiert ist. Eine weitere Expedition mit europäischen Bohrplattformen nach Tahiti zielte darauf ab, quartäre Schwankungen des Meeresspiegels in tropischen Riffkomplexen zu untersuchen. Von Mai bis Juli 2009 wurden Ablagerungen flachmariner Deltas vor New Jersey erbohrt und Ende 2009 ist eine weitere Bohrkampagne in das Great Barrier Reef vor Australien geplant.

Neue Forschungsplattformen

Das 1996 etablierte und aus dem Deutschen Kontinentalen Tiefbohrprogramm KTB hervorgegangene International Continental Scientific Drilling Program (ICDP) ist das Gegenstück zum Integrated Ocean Drilling Program an Land. Wie beim IODP werden beim ICDP alle Bohrungen an geologischen Schlüsselstellen (World Geological Sites) durchgeführt und gemeinsam von einem internationalen Forscherteam bearbeitet. Repräsentanten beider Programme sind in den Gremien des jeweils anderen Programms vertreten. Das gewährleistet die Zusammenarbeit von ICDP und IODP.

Internationales Kontinentales Bohrprogramm

Das European Project for Ice Coring in Antarctica (EPICA) ist ein Projekt, das gemeinsam von der ESF und der EU-Kommission getragen wird und an dem zehn europäische Länder beteiligt sind. In diesem Programm werden Eiskerntiefbohrungen durchgeführt, um die Klimageschichte der letzten Million Jahre detailliert und lückenlos zu dokumentieren. Dabei sollen insbesondere Klima­änderungen und Veränderungen in der Atmosphärenzusammensetzung untersucht werden. Die erste dieser Bohrungen am Dome Concordia hat erstmals einen Zeitraum von mehr als 500.000 Jahren vollständig erfasst. Der gewonnene Eisbohrkern hat ein Alter von mehr als 800.000 Jahren und ist damit der älteste Eisbohrkern überhaupt. Eine zweite Bohrung in Dronning-Maud-Land hat eine Gesamttiefe von 2.774 Metern erreicht und ein hochauflösendes Klimaarchiv für die letzten 900.000 Jahre der Erdgeschichte erschlossen.

European Project for Ice Coring in Antarctica

Kernaussagen

  • Für die Geowissenschaften in Deutschland müssen international sichtbare Kompetenzzentren konsequent auf- und ausgebaut werden. Sie müssen entsprechend der Schwerpunkte angemessen ausgestattet werden. Dies betrifft sowohl die Universitäten als auch außeruniversitäre Forschungseinrichtungen.
  • Die Geowissenschaften in den Universitäten müssen als Fundament der geowissenschaftlichen Lehre und Forschung in Deutschland gezielt gestärkt werden. Dazu gehört auch eine verstärkte Berücksichtigung von geowissenschaftlichen Zukunftsthemen an Schulen.
  • Universitäten und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen müssen ihre strategischen Partnerschaften ausbauen. Bei der Entwicklung großer Forschungsprogramme in Deutschland sind die Universitäten stärker einzubinden und zu unterstützen. Um diese Ziele zu erreichen, sollten neue Kommunikations- und Organisationsstrukturen entwickelt und angewendet werden. So können Forschungsprojekte besser aufeinander abgestimmt und verstreute Infrastrukturen optimal genutzt werden.
  • Bund, Länder und Förderorganisationen müssen die Strukturen der Forschungsförderung in Deutschland abstimmen und beschließen, wie sich die geowissenschaftliche Forschung an internationalen Großprogrammen beteiligen soll. Es müssen angemessene Mittel bereitgestellt werden, damit Geowissenschaftler große Infrastrukturen wie Schiffe nutzen und sich an Großprojekten wie IODP, ICDP oder EPICA beteiligen können. Gleichzeitig darf die Förderung kleinerer, rein vom Gewinn an Erkenntnis getriebener Projekte nicht beschränkt werden.
zuletzt geändert am 2010-03-23 15:58:48 durch Dr. Frank Schmieder | Impressum