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2.8 – Produktion von Nahrungsmitteln in einer sich verändernden Umwelt

Aufgrund der Bevölkerungsentwicklung muss die Landwirtschaft in Zukunft ihre Produktion steigern. Die Vereinten Nationen prog­nostizieren, dass die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 auf fast 10 Milliarden Menschen anwachsen wird. Um diese Zahl Menschen ausreichend ernähren zu können, müsste sich die Nahrungsmittelproduktion nach Schätzungen der Weltbank verdoppeln.

Jahrzehntelang konnten die benötigten Steigerungsraten erreicht werden: so erhöhte sich die Nahrungsmittelproduktion von 1950 bis 1984 um das 2,5fache und übertraf damit das Bevölkerungswachstum deutlich. Seitdem hat sich der Trend umgekehrt; so wurden von 1984 bis 1993 weltweit pro Kopf 12 Prozent weniger Nahrungsmittel erzeugt.

Ernährung der Weltbevölkerung

Für diese Entwicklung ist eine Reihe von Ursachen verantwortlich. So werden landwirtschaftliche Flächen bereits jenseits ihres natürlichen Ertragspotenzials genutzt, das heißt, über das Maß dessen hinaus, was sie bei einer nachhaltigen, auf Dauer angelegten Bewirtschaftung zu leisten vermögen. Es bestehen kaum noch Möglichkeiten, die landwirtschaftlichen Nutzflächen zu erweitern, ohne ein hohes Ertragsrisiko oder die Schädigung anderer Umweltgüter in Kauf nehmen zu müssen.

Zudem ist mit revolutionären Innovationen in der Agrartechnik nicht mehr zu rechnen. Andere Innovationen überfordern die Kapitalkraft vieler Kleinlandwirte. Größere Wassermengen zur Bewässerung sind nur mit hohen Investitionen zu gewinnen, was häufig Umweltschäden nach sich zieht. Der verstärkte Einsatz von Düngemitteln führt vielerorts nicht mehr zu Ertragssteigerungen. Außerdem gehen viele Böden durch Bodenerosion und Desertifikation, Humusverlust und Versalzung verloren. Darüber hinaus wird immer mehr Ackerland in Siedlungsland umgewandelt.

Agrartechnik

Wissenschaftliche Herausforderungen

In der Zukunft muss ein Ausgleich zwischen Nutzung und Schutz der natürlichen Ressourcen gefunden werden. Geowissenschaftler sind weltweit aufgerufen, ihr Wissen und ihre Erfahrung einzubringen, um eine nachhaltige und integrierte Bewirtschaftung der ­Ressourcen Wasser und Boden zu fördern. Die bodenkundlichen und hydrogeologischen Forschungsbeiträge dienen vor allem dem Ziel, die Böden und Grundwasservorkommen zu erkunden, nachhaltig zu bewirtschaften und wirksam zu schützen.

Nutzung und Schutz natürlicher Ressourcen

Bodenversalzung im Zentralchaco (West-Paraguay)

Bodenversalzung im Zentralchaco (West-Paraguay; Foto: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), Hannover)

Im hydrogeologischen Bereich bedeutet dies, Grundwasservorkommen global zu erfassen und ihre quantitativen Nutzungspotenziale zu bewerten, Verfahren zur Ermittlung der Grundwasserneubildung weiterzuentwickeln und die Filter- und Pufferfunktionen der grundwasserüberdeckenden Schichten zu ermitteln. Insbesondere sind die Eigenschaften von Karstgrundwasserleitern zu erforschen.

Es ist sehr wichtig, Wasserschutzgebiete auszuweisen. Auch die so genannte künstliche Grundwasseranreicherung spielt eine wichtige Rolle. Damit übernutzte Grundwasserspeicher in Trockengebieten wieder aufgefüllt werden können, müssen Pläne für ein integriertes Wasserressourcenmanagement ausgearbeitet werden. Geowissenschaftler müssen Szenarien unter veränderten Umweltbedingungen betrachten und Strategien zur Anpassung des Wasserressourcen­managements an den Klimawandel entwickeln.

Wasserschutzgebiete

Die Herausforderungen im bodenkundlichen Bereich sind vergleichbar. Hier gilt es, die Grunddaten über Böden und ihre Eigenschaften global zu erfassen, ihr Eignungspotenzial für den Anbau der unterschiedlichsten Kulturpflanzen mit Methoden der „land evaluation“ zu bewerten und Modelle zur Gefährdung der Böden zu entwickeln. Die Qualität von Böden wird zum Beispiel durch Wind- und Wassererosion, Verdichtung, Humusverlust und Versalzung in Mitleidenschaft gezogen. Für alle genannten Prozesse ist es notwendig, Grenzwerte zu entwickeln und gefährdete Flächen auszuweisen, bei denen starker Handlungsbedarf besteht.

Grunddaten über Böden

Um die Bodenqualität zu steigern, müssen landwirtschaftliche Produktions- und Anbausysteme verbessert werden, zum Beispiel bei der Bewässerung oder der Entwässerung. Daneben muss es auch integrierte Managementsysteme zur Bewirtschaftung der Boden­ressourcen geben. Um die Produktion von Nahrungsmitteln in Zukunft zu sichern, ist es unabdingbar, verschiedene Szenarien zu betrachten und Strategien zur Anpassung der Bodenbewirtschaftung an den Klimawandel zu entwickeln.

Managementsysteme

zuletzt geändert am 2014-08-26 11:05:01 durch Jana Stone | Impressum