SK-ZAGDFG SK-ZAG

DFG-Senatskomission für Zukunftsaufgaben der GeowissenschaftenDFG-Senatskomission für Zukunftsaufgaben der Geowissenschaften
  1. Start >
  2. ..... >
  3. 3 – Veränderung des Erdsystems durch den Menschen >
  4. 3.3 – Schadstoffe in Wasser, Boden und Luft

3.3 – Schadstoffe in Wasser, Boden und Luft

Vom Menschen erzeugte Chemikalien finden sich in Wasser, Boden und Luft, die mittlerweile bereits die Pole und die höchsten Gebirge erreicht haben. Viele langlebige anorganische und organische Verbindungen reichern sich in den Böden und Sedimenten an. Damit hinterlässt unsere moderne Industriegesellschaft einen globalen „chemischen Fußabdruck“, einen Cocktail aus unterschiedlichsten Substanzen.

Großflächige Boden- und Grundwasserverunreinigungen sind teilweise irreparabel und lassen eine dauerhafte Nutzung nicht zu. Anthropogene Schad- und Nährstoffe, zum Beispiel Chemikalien aus Industrie und Landwirtschaft, Verbrennungsprodukte oder Pharmazeutika, die weiterhin in die Böden gelangen, gefährden letztendlich die Trinkwasserversorgung aus Grundwasserreservoirs.

Schadstoffe in der Umwelt

Zu den bekannten gefährlichen Substanzen zählen Chlorpestizide wie DDT oder Lindan, polychlorierte Biphenyle (PCBs), Dioxine und Furane, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs), polybromierte Biphenylether (Flammschutzmittel), Phthalate, Cadmium und Quecksilber. Bislang konzentriert sich beispielsweise die Umweltgesetzgebung der EU darauf, so genannte „prioritär gefährliche“ Verbindungen in der Umwelt zu bekämpfen, die als persistent, toxisch und (bio-)akkumulierend gelten. Eine ganze Reihe weiterer Substanzen, die das Hormonsystem von Tieren und Menschen beeinflussen, wird zurzeit diskutiert. Dabei handelt es sich unter anderen um Pharmaka wie Blutfettsenker, Betablocker, Antirheumatika, Antibiotika, um Steroide und Hormone, Duftstoffe, Antiseptika, Tenside und ihre Abbauprodukte sowie Kraftstoffzusätze. Solche Stoffe können den Boden und das Grundwasser direkt erreichen. Sie sind zum Beispiel in geklärtem Abwasser oder Klärschlamm enthalten. Es ist aber auch möglich, dass sie indirekt auf bisher nicht eindeutig bekannten Transportpfaden in die Umwelt gelangen, etwa über die Atmosphäre. Der Eintrag von Tiermedikamenten und Futterzusatzstoffen ist ebenfalls von Bedeutung. Wenn Gülle und Stallmist auf den Feldern verteilt werden, gelangen diese Stoffe in den Boden und in das Grundwasser.

Gefährliche Substanzen

Bislang lässt sich nur grob abschätzen, welche Schadstofffrachten über welche Pfade in die Böden und eventuell ins Grundwasser eingetragen werden. Es ist zu befürchten, dass manche Schadstoffe für Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende im Untergrund bleiben. Landwirtschaft, Verkehr und Industrie setzen nach wie vor eine zunehmende Zahl giftiger, langlebiger Stoffe frei. Das führt zu einer flächenhaften Belastung der Umwelt. Im Vergleich zu Punktquellen wie Altlasten ist die absolute Konzentration der Schadstoffe zwar meist relativ niedrig, oft findet man aber zum Beispiel in Fluss­sedimenten einen „Cocktail” aus einer Vielzahl von Stoffen, deren gemeinsame Wirkung meist unbekannt ist.

Schadstoffbelastung

Wissenschaftliche Herausforderungen

Wie sich gefährliche Substanzen langfristig in Grundwasser, Boden und Luft verhalten und wie sie – auch in der Kombination mehrerer Stoffe – auf Ökosysteme wirken, ist bislang kaum untersucht. Insbesondere fehlen Massenbilanzen von Stoffeinträgen und -austrägen. Diese sind wichtig, um die schleichende Anreicherung solcher Stoffe in Böden rechtzeitig zu erkennen. Einmal flächenhaft in das System Boden-Grundwasser eingetragene Substanzen können nicht ohne weiteres wieder entfernt werden. Das „Langzeitgedächtnis” von Boden und Grundwasser wird besonders bei der Pestizid- und Nitratbelastung des Grundwassers deutlich, die trotz längst getroffener Gegenmaßnahmen nur langsam zurückgeht. Flächenhafte Belastungen müssen in Zukunft differenzierter bewertet werden. Mit der Europäischen Wasserrahmen-Richtlinie (EU-WRRL) ist eine gesamtökologische Betrachtung aller Faktoren gefordert, die einen Einfluss auf das Einzugsgebiet haben und die gleichermaßen auf die Wasser- und Gewässerqualität einwirken. Das oberste Gebot zum Schutz der Wasserqualität ist und bleibt die Vermeidung des Eintrags von Schadstoffen in Böden und Sedimente.

zuletzt geändert am 2014-08-26 11:05:02 durch Jana Stone | Impressum