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4.3 – Meteorologische Extremereignisse

Extreme Wetter- oder Klimaereignisse verursachen etwa 75 Prozent der Naturkatastrophen. Davon sind praktisch alle Teile der Erde betroffen. Direkte Wirkungen gehen beispielsweise von extremen Windgeschwindigkeiten aus. Sie können bei Stürmen in den Tropen oder in mittleren Breiten auftreten, aber auch bei lokalen Ereignissen wie Tornados.

Auch einzelne Gewitterböen können lokal erheblichen Schaden anrichten. Die Kombination von Niederschlag und Sturm kann den Schaden erheblich erhöhen. Grundsätzlich kann von Niederschlägen aber auch eine indirekte Wirkung ausgehen. So verursachen Hochwasser oft Schäden in Regionen, in denen es selbst keinen Niederschlag gegeben hat.

Meteorologische Extremereignisse schädigen weite Bereiche der natürlichen Umwelt und der Infrastruktur. Sie können direkte Wirkungen auf Mensch und Tier, die Energie- und Nahrungsmittelversorgung oder den Verkehr haben. So musste zum Beispiel der Bahnverkehr während des Sturms „Kyrill“ eingestellt werden. Zunehmend ist auch der Einfluss anthropogener Klimaänderungen auf die Landwirtschaft, die Wasserversorgung oder die Wärme­inseln großer Städte zu berücksichtigen.

Die Gefährdung durch meteorologische Extremereignisse wird bis heute meist rein statistisch beurteilt. Warnungen beruhen meist auf numerischen Wettervorhersagemodellen, so genannten NWV-Modellen. In diesen Modellen werden die Atmosphäre und Prozesse wie Strahlung, Turbulenz, Wolken- und Niederschlagsbildung mathematisch-physikalisch beschrieben. Die NWV-Modelle berechnen anhand von Messdaten einen Anfangszustand. Davon ausgehend, können die Modelle in guter Näherung für mehrere Tage im Voraus berechnen, wie sich ein Sturm entwickeln und wohin er ziehen wird. Die Vorhersagegüte der NWV-Modelle hängt von mehreren Faktoren ab: wie gut der Anfangszustand erfasst wird, wie detailliert die physikalischen Prozesse modelliert werden und wie genau die numerischen Lösungsverfahren sowie die räumliche Auflösung des Modells sind.

Um klimatische Extremereignisse voraussagen zu können, sollten in Zukunft Ensemblevorhersage-Systeme genutzt werden. Diese Systeme gehen von mehreren, leicht unterschiedlichen Anfangszuständen aus und zeigen verschiedene mögliche Entwicklungen. Daran lässt sich erkennen, welcher Ablauf möglich ist und wovon die Stärke eines Extremereignisses abhängt. Derzeit sind die Modelle noch nicht fein genug, um alle schadensrelevanten Skalen aufzulösen. Auch die parametrisierten Prozesse können nicht alle möglichen Entwicklungen abdecken. Um meteorologische Extremereignisse besser zu verstehen und Gefährdungen besser einschätzen zu können, müssen diese Defizite behandelt werden.

Forschungsbedarf besteht unter anderem dabei, Extremereignisse auf kürzeren Zeitskalen vorherzusagen. Zudem muss daran gearbeitet werden, die Vorsorgestrategien sowie die Folgen des Klimawandels besser einzuschätzen, physikalische Mechanismen besser zu verstehen und die Defizite der Modelle zu beseitigen.

zuletzt geändert am 2014-08-26 11:05:02 durch Jana Stone | Impressum