SK-ZAGDFG SK-ZAG

DFG-Senatskomission für Zukunftsaufgaben der GeowissenschaftenDFG-Senatskomission für Zukunftsaufgaben der Geowissenschaften
  1. Start >
  2. SK ZAG >
  3. Strategieschrift Dynamische Erde >
  4. 7 – Die Lithosphäre

7 – Die Lithosphäre

Die Lithosphäre ist die äußere, weitgehend feste und starre Hülle der Erde. Sie ist hundert bis 200 Kilometer dick und zerfällt in ein gutes Dutzend tektonische Platten. Die kontinentale Lithosphäre bildet den Lebensraum des Menschen. Er bezieht nahezu alle Rohstoffe und fast die gesamte Wasserversorgung aus ihr. Gleichzeitig gehen viele Naturgefahren auf die Dynamik der Lithosphäre zurück, zum Beispiel Erdbeben, Vulkanismus, Massenverlagerungen an Berghängen oder Landhebungen und -senkungen in Küstenregionen.

Von besonderer Relevanz ist dies an den Rändern der Kontinente und der tektonischen Platten. Über 90 Prozent der globalen Erdbebenaktivität sowie fast alle hochexplosiven Vulkane konzentrieren sich an den konvergenten Kontinenträndern, ebenso ein Großteil der bekannten mineralischen Lagerstätten (Kupfer, Zink, Silber, Blei, etc.). An konvergenten Kontinenträndern wächst die kontinentale Erdkruste an. Dort wird aber auch kontinentale Kruste vernichtet. Diese Prozesse prägen die interne Architektur und den thermischen und stofflichen Charakter der kontinentalen Lithosphäre dauerhaft. An den divergenten Kontinenträndern und innerhalb der Kontinente befindet sich dagegen ein Großteil der Kohlenwasserstofflagerstätten der Erde. In den Sedimentbecken sind zudem alle Veränderungen des Systems „Erde-Ozean-­Atmosphäre“ archiviert. Um zukünftige Umweltveränderungen realistisch einschätzen zu können, ist es nötig, diese Archive zu entschlüsseln. Unabhängig vom Typ des Kontinentrandes haben die Küstenbereiche eine besondere Bedeutung. Hier leben in einem 200 Kilometer breiten Streifen etwa 80 Prozent der Weltbevölkerung. Dort liegen auch fast alle Megacities. Diese Städte haben ein großes ökonomisches Entwicklungspotenzial, allerdings wächst die Bevölkerung dort auch besonders schnell.

Die äußerste Hülle der Lithosphäre bis in etwa 15 Kilometer Tiefe ist der einzige Teil der festen Erde, der dem Menschen direkt zugänglich ist. Viele unserer Vorstellungen darüber, wie kontinentale und ozeanische Lithospärenplatten funktionieren, beruhen auf der Erforschung dieses Bereichs. Zahlreiche nationale und internationale Forschungsprogramme der vergangenen Jahrzehnte haben ­­in den letzten Jahren zwar wesentliche Einsichten vermitteln können, doch bleiben viele Fragen noch weitgehend ungeklärt.

In Deutschland ist die Erforschung der Kontinente und ihrer Ränder in den vergangenen Jahren erheblich vorangekommen, was international sehr gut anerkannt wird. Beispiele sind nicht nur Tiefbohrprogramme, sondern entsprechende thematische Sonderforschungsbereiche, Schwerpunktprogramme und ähnliche Verbundvorhaben. Diese Programme haben dynamische Teile der Erde auf vielen Zeit- und Raumskalen untersucht.

zuletzt geändert am 2014-08-26 11:05:04 durch Jana Stone | Impressum