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DFG-Senatskomission für Zukunftsaufgaben der GeowissenschaftenDFG-Senatskomission für Zukunftsaufgaben der Geowissenschaften
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AG Geowissenschaftliches Bohren

Die Arbeitsgruppe Wissenschaftliches Bohren der Geokommission tagt halbjährlich und berichtet über die deutschen Forschungsaktivitäten auf dem internationalen Parkett. Die Schwerpunktprogramme ICDP und IODP sind Gegenstand der Berichte sowie neue Entwicklungen und verbesserte technische Verfahren im Bereich der Bohrtechnologie. Die Arbeitsgruppe empfiehlt der Geokommission die personelle Besetzung von nationalen Gremien und wissenschaftlichen Kommittees der internationalen Forschungsprogramme.

Eine gegenwärtige Aufgabe der Arbeitsgruppe ist es, ein Konzept zur Errichtung eines deutschen Zentrums für geowissenschaftliches Bohren zu erstellen. Ein spezielles "Task Force" verfasst erste Vorstellungen und Visionen. Ziel ist es, die deutschen Forschungsinteressen gebündelt zu präsentieren und vertreten zu können, sowie vorhandene Ressourcen und Kompetenzen besser verteilen und nutzen zu können und zur Verfügung zu stellen. Die Arbeitsgruppe verspricht sich erhöhte wissenschaftliche Sichtbarkeit und wegweisende internationale Projektbegleitung.

MeBo (MARUM)

Meeresboden-Bohrgerät (MeBo), MARUM, Universität Bremen

Mitglieder der Arbeitsgruppe Wissenschaftliches Bohren

NameEinrichtung
Prof. Dr. Jan BehrmannLeibniz-Institut für Meereswissenschaften, IFM-GEOMAR, Kiel
Prof. Dr. Christian BetzlerGeologisch-Paläontologisches Institut, Universität Hamburg
Prof. Dr. Warner BrückmannLeibniz-Institut für Meereswissenschaften, IFM-GEOMAR, Kiel
Prof. Dr. Christian BückerRWE Dea AG, Hamburg
Prof. Dr. Christoph ClauserAngewandte Geophysik, RWTH Aachen
Prof. Dr. Rolf EmmermannHelmholtz-Zentrum Potsdam Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ
Dr. Jochen ErbacherBundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), Hannover
Prof. Dr. Hans-Joachim KümpelBundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), Hannover
Prof. Dr. Martin MellesInstitut für Geologie und Mineralogie, Universität zu Köln
Prof. Dr. Volker MosbruggerSenckenberg Forschungsinstitute und Naturmuseen, Frankfurt
Prof. Dr. Roland OberhänsliInstitut für Geowissenschaften, Universität Potsdam
Prof. Dr. Volkhard SpießMARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, Universität Bremen
Prof. Dr. Werner StackebrandtLandesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg, Cottbus
Dr. Thomas WonikLeibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG), Hannover

Ständige Gäste

NameEinrichtung
Dr. Ulrich HarmsHelmholtz-Zentrum Potsdam Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ
Prof. Dr. Serge ShapiroGeophysik, Freie Universität Berlin
Prof. Dr. Rüdiger SteinAlfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung

Task Force zur Gründung eines "German Center for Scientific Earth Probing"

Die Task Force zur Gründung eines "German Center for Scientific Earth Probing" erkennt den hohen wissenschaftlichen Wert von Forschungsbohrungen und verfolgt folgende Aufgaben:

  • Eine Übersicht über die wissenschaftlichen und technischen Anforderungen für moderne Bohrprojekte zu erstellen,
  • Vorhandene und mögliche künftige Bohrkompetenzen in Deutschland zu erfassen,
  • ein "Zentrum für geowissenschaftliches Bohren" zu gründen, um weitere Bohr-Aktivitäten in Deutschland zu fördern.

Bohrkronen, ICDP Deutschland

Konzeptpapier "Framework of a German Scientific Earth Probing" (GESEP) Consortium der Task Force "Zentrum Geowissenschaftliches Bohren".

Mitglieder der Task Force zur Gründung eines "German Center for Scientific Earth Probing"

NameEinrichtung
Prof. Dr. Warner BrückmannLeibniz-Institut für Meereswissenschaften, IFM-GEOMAR, Kiel
Prof. Dr. Rolf EmmermannHelmholtz-Zentrum Potsdam Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ
Dr. Jochen ErbacherBundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), Hannover
Dr. Jochem KückHelmholtz-Zentrum Potsdam Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ
Prof. Dr. Hans-Joachim KümpelBundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), Hannover
Prof. Dr. Roland OberhänsliInstitut für Geowissenschaften, Universität Potsdam
Prof. Dr. Jörn ThiedeStiftung Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft, Bremerhaven
Prof. Dr. Gerold WeferMARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, Universität Bremen

Hier eine kleine Übersicht der wissenschaftlichen Aspekte, die sich aus Bohrprojekten ergeben:

Erdgeschichte

Das heutige Klima und seine Veränderung können nur durch eine genaue Kenntnis der Vergangenheit und ihrer Dynamik verstanden und erfasst werden. Paläoklimatologie und Paläoozeanologie haben in den letzten Jahrzehnten vor allem Dank der Auswertung von Sediment- und Eiskernen große Fortschritte gemacht. Es ist wichtig, begonnene Bohrprojekte weltweit langfristig fortzuführen und zu sichern sowie neue Technologien zu entwickeln.

Geodynamik der Vergangenheit und der Gegenwart

Während die Geophysik die gesamte Erde durchleuchtet, ist es bislang lediglich gelungen, die obersten 2 km der ozeanischen und 12 km der kontinentalen Erdkruste tatsächlich zu beproben. Es ist notwendig, Proben aus tieferen Zonen zu erhalten, um sie mit den geophysikalischen Daten zu korrelieren. Auch tektonisch instabile Bereiche (Vulkangebiete, Störungszonen) müssen untersucht und langfristig überwacht werden, um Naturkatastrophen vorhersagen zu können und damit Menschenleben zu retten.

Beobachtungsstationen

Die Entwicklung von Bohrtechnologien hat nicht nur der Erkundung neuer Lagerstätten und der Anhäufung von Daten und Proben gedient. Zahlreiche Beobachtungsinstrumente sind in Bohrlöchern zur langfristigen Datenaufzeichnung installiert worden, um Veränderungen in Echtzeit erfassen zu können und die Kräfte, die diese Veränderungen verursachen, zu verstehen. Tunnels durchziehen beispielsweise in den Alpen die "Wurzeln" der Gebirge und können ebenfalls zum verbesserten Verständnis der Gebirgsbildung herangezogen werden. Schließlich dienen diese Erkenntnisse der verbesserten Sicherheit der Reisenden auf den Verkehrswegen.

Tiefe Biosphäre

Die Entdeckung von mikrobiellen Vergesellschaftungen in der Erdkruste in einer Tiefe von bis zu 1000 Meter ist ein faszinierendes Ergebnis der Bohrtätigkeit im Ozeanboden. Die meisten Organismen sind unbekannt und sind an extreme Habitate angepasst (Druck, Temperatur, chemisches Milieu). Ihre Untersuchung steht in den Anfängen. In der Kontinentalen Kruste ist Wasser bis zu einer Tiefe von 10 Km vorhanden, doch der Nachweis von mikrobiellen Vergesellschaftungen setzt sterile Bohrtechnolgien voraus.

Geothermie

Der wachsende globale Energieverbrauch steht sinkenden fossilen Brennstoffvorräten gegenüber. Geothermie als Energiequelle gewinnt an Bedeutung und wird in den nächsten Jahrzehnten verstärkte Bohrtätigkeit mit sich bringen. Deutschland verfügt über zahlreiche aussichtsreiche Vorkommen für geothermische Energiegewinnung. Die technologischen Voraussetzung für die Nutzung dieser Energiequellen müssen weiter ausgebaut werden.

Bohren ins Unbekannte

Es gibt weltweit zahreiche Bohrziele mit unbekanntem Ausgang. Die großen Süßwasserseen unterhalb des antarktischen Eises mit ihren mikrobiellen Vergesellschaftungen sind bislang nicht beprobt worden. Sie setzen sterile Bohrtechnolgien voraus, welche auch für extraterrestrische Körper verwendet werden könnten. Die Hydrologie unter den großen kontinentalen Eisschilden ist insgesamt Neuland. Auch die kontinentale Kruste unterhalb der Eisschilde ist gänzlich unbeprobt, da wir noch nicht über entsprechende Bohrtechnolgien verfügen.

zuletzt geändert am 2009-12-02 10:05:28 durch Dr. Frank Schmieder | Impressum