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Arbeitsbericht 1998 - 1999
Schwerpunkte der in den Berichtszeitraum fallenden Sitzungen der Geokommission (67.-70. Sitzung) bildeten die zentralen Themen zur Erforschung der festen Erde durch nationale kontinental- und maringeowissenschaftliche Projekte und deren Einbindung in internationale Verbundvorhaben. Besondere Aufmerksamkeit fand dabei das "International Continental Drilling Program" (ICDP), zu dessen Gründungsmitgliedern neben den USA und China auch die Bundesrepublik Deutschland zählt. Ziel der Bohrungen ist es, geowissenschaftliche Fragestellungen weltweit an dafür geeigneten Lokationen zu studieren, wobei grundlegende Untersuchungen zur Erdbebenentstehung, Vulkanologie oder Klimaentwicklung zentrale Anliegen sind. Deutsche Beiträge zum ICDP erfolgen seit 1996 in dem DFG-Schwerpunktprogramm "Internationales Kontinentales Bohrprogramm (ICDP)/Kontinentales Tiefbohrprogramm der Bundesrepublik Deutschland (KTB)". Kernpunkte deutscher Beteiligung liegen neben der Mitwirkung an internationalen Bohrvorhaben u.a. im Bereich des Meteoritenkraters Chicxulub auf der Yucatan-Halbinsel, Mexiko, und der bis heute vulkanisch aktiven Hawaii-Inselgruppe im Aufbau eines Tiefenlabors in der 4000 und 9000 Meter tiefen Vor- und Hauptbohrung der KTB, die ausgestattet als Tiefenlabor, weltweit einzigartige Voraussetzungen für in-situ-Messungen in der Erdkruste bilden. Die im Berichtszeitraum durchgeführten Kolloquien des Schwerpunktprogramms demonstrierten die inzwischen große inhaltliche Breite des Programms, in dem wie erwartet der KTB-Anteil kontinuierlich zugunsten von konkreten internationalen Projektbeteiligungen abgenommen hat. Deutsche Geowissenschaftler sind heute in alle laufenden ICDP-Projekte und Pre-Site-Untersuchungen integriert. Dem inzwischen auch international große Bedeutung zugemessenen Synergiepotenzial mariner und kontinentaler Bohrprogramme (IODP) Rechnung tragend, befürwortete die Geokommission die Einrichtung einer deutschen Arbeitsgruppe zur Vorbereitung eines wissenschaftlichen Bohrkonzeptes auf der Insel Kreta. Ähnlich wie im KTB ist die Geokommission auch im ICDP und dem begleitenden Schwerpunkt durch einige ihrer Mitglieder direkt in die nationale und internationale Projektkoordination eingebunden. Die Beteiligung deutscher Geowissenschaftler am ICDP wurde maßgeblich durch eine Arbeitsgruppe der Geokommission vorbereitet.
Ausführlich beschäftigte sich die Kommission mit der Vorbereitung der geowissenschaftlichen Programmkonzeption "Geotechnologien - Von der Geosystemanalyse zum Erdmanagement", die am 23.7.1999 durch die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn und den Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Prof. Dr. Ernst-Ludwig Winnacker, der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Die in der Programmkonzeption dargestellten dreizehn Schlüsselthemen bilden die Grundlage eines von der DFG und dem BMBF gemeinsam getragenen Förderprogramms, das mit einem Finanzvolumen von 500 Mio. DM und einer Laufzeit von 15 Jahren besonders innovative geowissenschaftliche Forschungsvorhaben fördern wird. In dieses Programm sind Universitäten und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen gleichermaßen integriert.
Vielgestaltig waren die Beratungen zu neuen geowissenschaftlichen Programmen. Von der DFG inzwischen als Sonderforschungsbereich eingerichtet wurde der Projektvorschlag "Rheologie der Erde - Von der Oberkruste bis in die Subduktionszone" in Bochum.
Als Schwerpunktprogramme werden seit 1998 folgende Projektinitiativen gefördert:
- "Strukturgradienten in Kristallen"
- "Evolution des Systems Erde während des jungen Paläozoikums im Spiegel der Sediment-Geochemie"
- "Bildung, Transport und Differenzierung von Silikatschmelzen"
- "Erdmagnetische Variationen: Raum-zeitliche Struktur, Prozesse und Wirkungen auf das System Erde"
Alle Programme wurden im Vorfeld ihrer Antragstellung ausführlich in der Geokommission diskutiert.
Mit besonderem Interesse verfolgte die Kommission auch die geowissenschaftlich relevanten Beiträge deutscher Wissenschaftlergruppen zu den internationalen Programmen EUROPROBE, IGCP, ILP, IDNDR.
Die Planung und Koordination des deutschen Beitrages zu EUROPROBE nimmt eine durch die Geokommission eingesetzte Arbeitsgruppe unter Vorsitz von Prof. Dr. K. Fuchs (Karlsruhe) wahr. In diesem seit 1991 von der ESF begründeten und inzwischen 24 Nationen umfassenden geowissenschaftlichen Gemeinschaftsprogramm ist Deutschland organisatorisch wie wissenschaftlich einer der aktivsten Teilnehmer. Neben dem DFG-Schwerpunktprogramm "Orogene Prozesse - Ihre Simulation und Quantifizierung am Beispiel der Varisziden", das zum Jahresanfang 1999 mit einem internationalen Abschlußkolloquium in Freiberg/Sachsen zu Ende ging und dem SFB-461, Karlsruhe "Starkbeben - von geowissenschaftlichen Grundlagen zu Ingenieurmaßnahmen", leistet insbesondere das von der Geokommission initiierte und seit 1995 von der DFG geförderte Verbundvorhaben "Ural" (Antragspaket im Normalverfahren) einen wesentlichen Beitrag zu EUROPROBE. Die Untersuchungen sind Teil des internationalen Gemeinschaftsprojektes URSEIS, in dessen Rahmen ein über 500 km langes tiefenseismisches Reflexionsprofil über den südlichen Ural realisiert wurde.
Sehr erfolgreich gestaltete sich die Mitarbeit deutscher Forschergruppen in dem von der UNESCO und der IUGS getragenen International Geological Correlation Programme (IGCP). Der Beitrag der Bundesrepublik Deutschland wird durch einen von der Geokommission als Nationalkomitee für das IGCP eingesetzten Landesausschuss koordiniert. Dessen langjähriger Vorsitzender, Prof. Dr. W. Ziegler, Frankfurt/M., übergab dieses Amt 1998 an Prof. Dr. F.F. Steininger, Direktor des Forschungsinstitut und Naturmuseum Senckenberg. Die bestehenden Sekretariatsaufgaben werden wie im Fall des deutschen ILP-Landesausschusses vom Geschäftsführer der Geokommission wahrgenommen. Von insgesamt 43 IGCP-Projekten war die Bundesrepublik Deutschland 1999 an zwanzig Forschungsvorhaben maßgeblich, in sechs Projekten federführend beteiligt. Neben seinem traditionellen Auftrag, bestehende und geplante geowissenschaftliche Forschungsvorhaben auf ihre Integrationsmöglichkeiten in das IGCP zu analysieren und interessierte Wissenschaftler bei der Vorbereitung neuer IGCP-Projekte zu beraten, bemüht sich das NC z.Zt. zusammen mit den Nationalkomitees und Sekretariaten der anderen naturwissenschaftlichen Langzeitprogramme der UNESCO: MAB (Man and the Biosphere), IOC (Intergovernmental Oceanographic Commission) und IHP (International Hydrological Programme) um eine künftig engere Zusammenarbeit dieser Vorhaben auf nationaler Ebene. Nach einem ersten Koordinationsgespräch im Herbst 1994 findet seit ca. 4 Jahren auf nationaler Ebene ein kontinuierlicher Erfahrungs- und Informationsaustausch zwischen den vier Langzeitprogrammen der UNESCO statt. Sie trugen ebenso wie die regelmäßige Teilnahme der Programmvertreter an den Sitzungen der jeweils anderen Nationalkomitees zu einer Annäherung der verschiedenen Programme bei. So konnten die Wissensdefizite bezüglich der wissenschaftlichen Inhalte der jeweiligen Programme überwunden und bestehende Anknüpfungspunkte identifiziert werden. Diese konnten im Einzelfall auch in die jeweiligen Programme transferiert werden.
Besondere Aufmerksamkeit schenkte die Geokommission zwei von ihr initiierten Aktionslinien zur Darstellung der Geowissenschaften in der Öffentlichkeit. Das im Springer Verlag, Heidelberg, erschienene Buch "Die Erde im Visier - Die Geowissenschaften an der Schwelle zum 21. Jahrhundert" (Herausgeber: H.-P. Harjes und R. Walter; Redaktion: L. Stroink) wurde am 30.9.1999 anläßlich der Veranstaltung "Geoperspektiven" in Bonn der Presse vorgestellt. Ziel des Buches ist es, das Anliegen der modernen Geowissenschaften und ihre Relevanz für Wirtschaft und Gesellschaft einer möglichst breiten Öffentlichkeit näherzubringen. In zwanzig Kapiteln werden daher die verschiedenen Facetten der Geowissenschaften allgemeinverständlich und mit eindrucksvollem Bildmaterial dargestellt. Das Abschlusskapitel konzentriert sich neben einer Dokumentation der geowissenschaftlichen Forschungslandschaft im nationalen und internationalen Umfeld, auf die Struktur und zukünftige Organisation des geowissenschaftlichen Studiums und die daraus erwachsenden Arbeitsmarktchancen für zukünftige Absolventen. Ein Großteil der Texte wurde von einem ausgewiesenen Wissenschaftsjournalisten (H. Rademacher, FAZ) verfaßt.
Ähnlich wie das Buch "Die Erde im Visier - Die Geowissenschaften an der Schwelle zum 21. Jahrhundert" zielte auch die Veranstaltung "Geoperspektiven" auf eine Verbesserung des Dialoges zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Der am 30.9.1999 im Wissenschaftszentrum Bonn und unter der Schirmherrschaft der UNESCO durchgeführte Aktionstag stand unter dem Motto: "Geowissenschaften "begreifbar" machen. Veranstalter waren die Deutsche Forschungsgemeinschaft, das GeoForschungsZentrum Potsdam, die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. Ziel der Veranstalter war es, mit einer Reihe allgemeinverständlicher Vorträge und einer begleitenden "Erlebnisausstellung" im Deutschen Museum Bonn, die Geowissenschaften einer breiten Öffentlichkeit näherzubringen. Ein wissenschaftspolitischer Abend mit Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Industrie, sowie eine Pressekonferenz, u.a. zur Vorstellung des Buches "Die Erde im Visier - Die Geowissenschaften an der Schwelle zum 21. Jahrhundert" rundeten das Veranstaltungsprogramm ab. Von den mehr als 1500 Besuchern waren ca. die Hälfte Schüler und Lehrer aus dem Bonn/Kölner Raum. Damit konnte ein wichtiges Teilziel, vornehmlich auch junge Menschen mit der Veranstaltung anzusprechen, erreicht werden. Das Interesse breiter Schichten der Öffentlichkeit und die sehr positive Resonanz haben bereits zu ersten Überlegungen einer Nachfolgeveranstaltung, möglicherweise in Berlin, geführt. Die Geokommission versteht sowohl das Buch als auch die Veranstaltung "Geoperspektiven" in Bonn als einen direkten Beitrag zu dem 1999 von allen großen Wissenschaftsorganisationen Deutschlands vereinbarten Programm "PUSH" (Public Understanding of Sciences and Humanities). Die konzeptionelle und organisatorische Vorbereitung der Veranstaltung erfolgte federführend im Sekretariat der Geokommission. Das gilt sowohl für die Konzeption des Veranstaltungsprogramms und seiner verschiedenen Aktionslinien, wie z.B. die einwöchige "Erlebnisausstellung" im Deutschen Museum Bonn, als auch für die inhaltliche Vorbereitung und Abwicklung der im Vorfeld solcher Veranstaltungen notwendigen Werbemaßnahmen (Flyer, Plakate, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit). In einer Arbeitsgruppe des BMBF zur Darstellung der Geowissenschaften in der Öffentlichkeit vertritt Herr Stroink die Interessen der Geokommission.
Zur Dokumentation bestehender und Förderung zukünftiger geowissenschaftlicher Kooperationsvorhaben in Lateinamerika wurde anläßlich des 31. Internationalen Geologenkongresses (IGC) im August 2000 in Rio de Janeiro ein von der Geokommission und dem deutschen Nationalkomitee "IUGS" herauszugebender Sonderband zur geowissenschaftlichen Kooperation zwischen Deutschland und den Ländern Lateinamerikas vorbereitet. Wie schon in dem 1996 anläßlich des 30. IGC in Peking herausgegebenen Sonderband "Contributions in Earth Sciences - A special Issue devoted to German-Chinese Research Projects in Geosciences" (Hrsg.: G. Friedrich & L. Stroink), werden auch diesmal in einem Extrabeitrag die Förderprogramme der DFG zur internationalen Kooperation vorgestellt.
