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Ein Bohrkern kommt ins Krankenhaus

Meeresboden auf dem Röntgentisch

Am morgigen Mittwochnachmittag hat der Bremer Geowissenschaftler Dr. Till Hanebuth einen ganz speziellen Termin in der Radiologischen Gemeinschaftspraxis am St. Joseph-Stift. Doch der Geowissenschaftler kommt nicht als Patient. Vielmehr hat er einen langen Sedimentkern im Gepäck, der vor gut einem Jahr während einer Expedition am Grund des Südatlantiks erbohrt wurde. Der MARUM-Forscher will diesen ungewöhnlichen „Patienten“ röntgen lassen, um im Detail zu verstehen, wie sich dieser Meeresboden während der letzten 300.000 Jahre aufgebaut hat.
Der mit 35 Metern außergewöhnlich lange Kern mit Meeresablagerungen stammt vom Kontinentalhang vor Uruguay. Dort wurde er in einer Wassertiefe von 1.190 Metern mit dem Meeresboden-Bohrgerät MARUM-MeBo erbohrt. MeBo ist ein knapp sieben Meter hoher und gut 10 Tonnen schwerer Bohrturm, der in Wassertiefen von bis zu 2.000 Metern operieren kann. Vor Uruguay war das High-Tech-Gerät auf dem deutschen Forschungsschiff METEOR im Einsatz.

Wie überall so ist auch der Kontinentalhang vor Uruguay Bindeglied zwischen den flachen Küstengewässern und der Tiefsee. Die untermeerischen Hänge stehen derzeit im Fokus der geowissenschaftlichen Forschung. Einerseits sind sie teilweise so steil, dass Hangpartien ins Rutschen kommen können. Diese Rutschungen können aufgrund ihrer enormen Größe Tsunamis auslösen. Andererseits sind die Hänge gerade vor Uruguay beeindruckend starken Meeresströmungen ausgesetzt. Die sorgen über die Jahrhunderttausende für reichlich Nachschub an Sediment. Die Region spielt also im Materialhaushalt des Südatlantiks eine wesentliche Rolle. Die Ablagerungen, die bis zu mehreren 100 Meter mächtig werden können, sind zudem gute Archive für die Klimageschichte einer Region.

Till Hanebuth ist um 16 Uhr in der Praxis verabredet. Schließlich haben die Patienten Vorrang. „Ich bin Herrn Dr. Harmers von der Radiologischen Praxis für die Begeisterung dankbar, mit der er und sein Team den 35 Meter langen, in 1,5 Meter lange Segmente zerschnittenen Kern quasi nach Feierabend durchleuchten“, sagt Till Hanebuth. „Wir rechnen damit, dass die Untersuchung etwa drei Stunden dauert und sind schon sehr gespannt auf die Ergebnisse.“

Quelle: MARUM

Das Meeresboden-Bohrgerät wird am Heck des Forschungsschiffs METEOR ausgesetzt.
Foto: MARUM

zuletzt geändert am 2014-08-26 11:05:23 durch Jana Stone | Impressum