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Georessourcen und Georisiken

Auf Rohstoffen, Wasser, Boden und Energie basieren unser Leben und unser Wohlstand. Bei weiterhin steigender Weltbevölkerung wird es immer wichtiger, die verfügbaren Georessourcen effizient zu nutzen und gerecht zu verteilen. Im Laufe des 20. Jahrhunderts vervierfachte sich die Weltbevölkerung auf über 6,5 Milliarden Menschen. Der Verbrauch an Energie nahm im gleichen Zeitraum um das 16fache zu und der an Wasser um das 7fache. Die Industrieproduktion mit all ihren Stoffflüssen stieg um das 40fache. Die Verfügbarkeit von Georessourcen ist der Schlüssel für die Zukunft der Menschheit.

Eines der zentralen Zukunftsprobleme ist die eingeschränkte Verfügbarkeit der Ressourcen – auch der regenerativen Energieressourcen wie beispielsweise Holz oder Wind. Sie sind nicht immer oder überall verfügbar und können aus technischen, wirtschaftlichen oder ethischen Gründen nur in einem bestimmten Umfang genutzt werden. Hinzu kommt, dass die verschiedenen Ressourcen und Bevölkerungsanteile global ungleich verteilt sind. Die limitierte Verfügbarkeit essentieller Georessourcen setzt daher der Weiterentwicklung jeder Volkswirtschaft Grenzen, unabhängig von ihrem technischen Entwicklungsstand. Knappe Ressourcen führten immer wieder zu politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen.

Limitierte Verfügbarkeit

Pro Kopf der Bevölkerung werden in Deutschland täglich rund 46 Kilogramm Rohstoffe verbraucht. Knapp zwei Drittel davon sind Massenrohstoffe wie Kiese und Sande aus heimischer Produktion. Ein Drittel sind Energierohstoffe, von denen wir weniger als 30 Prozent selber produzieren, überwiegend Braunkohle. 4 Prozent sind Metalle, bei denen wir nahezu vollständig auf Importe angewiesen sind. Die enormen Preisschwankungen der jüngsten Vergangenheit haben uns gezeigt, welche volkswirtschaftlichen Konsequenzen damit verbunden sind.

Während der Wert inländisch gewonnener Rohstoffe 2007 etwa 14 Milliarden Euro betrug, lag der Gesamtwert der eingeführten Rohstoffe bei 110 Milliarden Euro. Die Rohstoffpreise hängen zum einen von der technischen Verfügbarkeit ab: von der Kapazität der Abbaubetriebe, des Transports und der Aufbereitungsanlagen. Zum anderen spielt die Marktverfügbarkeit eine Rolle, das heißt, ob der Wettbewerb transparent abläuft und freier Handel möglich ist.

Braunkohleabbau

Braunkohleabbau (Foto: Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), Hannover)

Zu den besonders knappen, aber essenziellen Georessourcen zählen Wasser, Boden, Fläche und Energie, speziell Erdöl. Wasser und Boden bilden die Grundlage für die Ernährung – etwa ein Drittel der Weltbevölkerung leidet an Hunger und Unterernährung. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen werden im Jahr 2025 bis zu 3,4 Milliarden Menschen unter Wasserknappheit leiden; eine adäquate Energieversorgung ist allenfalls für etwa 30 Prozent der Weltbevölkerung gewährleistet. Auch die Erdölreserven sind knapp. Das Maximum in der jährlichen Erdölförderung („Peak Oil“) ist ein guter Indikator für den Umfang der Reserven. Dieses Maximum wird voraussichtlich im nächsten Jahrzehnt erreicht. Seit etwa zehn Jahren nimmt der Verbrauch von Rohstoffen, so auch von Erdöl, jedes Jahr stark zu. Das resultiert nicht zuletzt daher, dass aufstrebende, bevölkerungsreiche Regionen sich entwickeln.

Besonders knappe Georessourcen

Von der kostbaren Georessource Boden werden der Land- und Forstwirtschaft allein in der Bundesrepublik täglich etwa 100 Hek­tar entzogen. In anderen Ländern erschweren politische Konflikte und eine schlechte Gesundheitsversorgung die Lage. Als Folge des ungenügenden Zugangs zu essenziellen Georessourcen liegt die durchschnittliche Lebenserwartung in einigen Ländern wie Liberia, Kongo oder Afghanistan bei weniger als 45 Jahren.

Georessource Boden

Eine der großen Herausforderungen für die Zukunft besteht darin, mit den für uns lebenswichtigen Georessourcen nachhaltig umzugehen, damit auch nachfolgende Generationen ihren Bedarf decken können. Die Geowissenschaften sind aufgerufen, das verfügbare Potenzial zu bewerten und Grenzen aufzuzeigen, wenn die Umwelt beeinträchtigt wird.

Hochwasser Zschopau-Aue, Sachsen

Hochwasser Zschopau-Aue, Sachsen (Foto: Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL), Bildautor: Frank Gerstner, Frankenberg/Sachsen)

Wir müssen akzeptieren, dass die Erde ein dynamischer Planet ist. Erdbeben, Vulkanismus, Überflutungen, Stürme, Hangrutschungen, Feuersbrünste, Temperaturstürze und Klimaschwankungen, ja auch Meteoriteneinschläge haben ihr Antlitz geprägt und werden es auch weiterhin tun. Weil die Weltbevölkerung immer weiter wächst und immer neue Lebensräume nutzt, ist sie gegenüber Naturkräften anfälliger geworden. Es gilt, die Katastrophenvorhersage zu verbessern, geeignete Vorsorgemaßnahmen zu treffen und die Auswirkungen zu minimieren. Dies erfordert Expertenwissen und bestmögliche Kenntnisse über Ursachen und Zusammenhänge.

Georisiken

Aktiver Vulkan

Aktiver Vulkan (Merapi, Zentraljava, Foto: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), Hannover)

Naturkatastrophen („Geohazards“) wie Erdbeben, Tsunamis, Erdrutsche oder Vulkanausbrüche können einen erheblichen Einfluss auf die Gesellschaft und Wirtschaft haben. Dies trifft auch auf vom Menschen verursachte Risiken zu, etwa auf Industrieunfälle, Epidemien, Konflikte sowie Nuklearkatastrophen. In den letzten Jahrhunderten hat sich gezeigt, dass bei Naturkatastrophen besonders hohe Opferzahlen und Schäden auftreten, wenn ein Ereignis mit geringer Eintrittswahrscheinlichkeit eine bevölkerungsreiche Region oder ein Ballungszentrum trifft. Um solche seltenen Ereignisse vorherzusagen, bedarf es intelligenter Monitoring-, Frühwarn- und Vorsorgesysteme.

Meist bevölkerungsreiche Regionen betroffen

zuletzt geändert am 2014-08-26 11:05:00 durch Jana Stone | Impressum