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Newsletter 04/2012

Nach jeder Sitzung berichtet die Senatskommission für Zukunftsaufgaben der Geowissenschaften (SK ZAG) in einem Newsletter über wichtige Entwicklungen und Entscheidungen. Der Newsletter 04/2012 basiert auf dem Protokoll der 4. Sitzung der SK ZAG, die am 22. und 23. Oktober 2012 in Hitzacker stattfand.

Bericht des Vorsitzenden

Herr Oberhänsli ist zum Präsidenten der International Union of Geological Sciences (IUGS) gewählt worden. Er berichtet über die Neuerungen bei IUGS und von der Idee, den Internationalen Geologenkongress (IGC) 2034/24 nach Deutschland zu holen. Dieser Kongress habe zuletzt 1885 in Deutschland stattgefunden (Berlin). Der nächste IGC wird 2016 in Kapstadt stattfinden.

Herr Wefer erinnert an die drei wesentlichen Aufgaben der SK ZAG:

  • Vertretung der Geowissenschaften in internationalen Programmen (IODP, ICDP)
  • Weiterentwicklung und Begleitung neuer Förderprogramme des BMBF im Bereich Geoforschung
  • Unterstützung von neuen Ideen, um die Geo-Forschung in Deutschland voranzutreiben

Herr Wefer berichtet von der Konferenz „Zukunftsprojekt ERDE“, einer Veranstaltung der GeoUnion, die am 18. und 19. Oktober in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften stattfand. Das sehr erfolgreiche Format der letzten Jahre wurde beibehalten: Pro Themenblock gab es drei bis vier Vorträge und ausreichend Zeit für eine anschließende Podiumsdiskussion. Die Veranstaltung besuchten rund 300 Teilnehmer. Auf der Veranstaltung hat auch MinDirig. Wilfried Kraus (BMBF) einen Vortrag zum Thema „Zukunftsprojekt Erde – Geoforschung für eine nachhaltige Entwicklung und verantwortungsvolles Handeln“ gehalten. Herr Kraus wies darin auf die Wichtigkeit des Geotechnologien-Programms hin.

Das Wissenschaftsjahr 2013 steht unter dem Thema „Demografischer Wandel“. Eine umfangreiche Beteiligung mit eigenen Projekten, wie in den letzten Wissenschaftsjahren, ist für die Geowissenschaften 2013 wohl nicht möglich. Denkbar sind Beteiligungen über fachübergreifende Projekte wie z.B. das NCCR_CLIMATE Projekt RECLIM.

Berichte aus der DFG

Herr Lüniger berichtet, das neue Geotechnologien-Programm des BMBF und der DFG solle langfristig angelegt werden, in der Diskussion sei eine fünfjährige Laufzeit. Es werde z. Zt. ein Konzeptpapier erarbeitet. Der Start des Programms ist für 2015 geplant.

Im Sommer wurde Peter Strohschneider für zunächst drei Jahre zum neuen Präsidenten der DFG gewählt (Amtsantritt 1. Januar 2013). Er war zuvor langjähriger Vorsitzender des Wissenschaftsrats (Februar 2006 bis Januar 2011).

Vom Senat der DFG wurde die Weiterführung der internationalen Bohrprogramme IODP und ICDP beschlossen. Bei beiden Programmen beteiligt sich die DFG maßgeblich an der Finanzierung. Es gibt unterstützend dazu je ein Schwerpunktprogramm (SPP), im Rahmen dessen die jeweiligen Einzelprojekte beantragt werden können. IODP wird für weitere fünf Jahre, ICDP für sechs Jahre finanziert. In diesem Zeitraum wird die DFG diese beiden geowissenschaftlichen Programme mit insgesamt etwa 60 Millionen Euro fördern.

Herr Lagier berichtet über das Hochleistungs-Beschleuniger-Massenspektrometer (AMS) in Köln und den aktuellen Bericht der Betreiber für den Zeitraum April-Oktober 2012. Es wurde erstmalig Beryllium gemessen, bislang 240 10Be-Proben. Die Messungen haben die Spezifikationen der Abnahme erreicht bzw. übertroffen. Die Interferenz von 10Be wird vollständig unterdrückt, gemessen wurden 10Be/9Be-Verhältnisse < 5 x 10-16. Außerdem wurden insgesamt 990 14C-Proben gemessen, auch für andere Universitäten und Einrichtungen aus ganz Deutschland, was die Akzeptanz der Anlage im Wissenschaftsbetrieb zeigt. Es wurden 26Al-Proben reproduzierbar gemessen; die Messungen der 16Cl-Proben wurden auf das Jahresende verschoben. Mit Unterstützung von Prof. Dr. Keith Fifield (Australian National University) sind Plutonium-Isotopen-Messungen geplant. Die Ausfallzeiten aufgrund kleinerer Probleme summieren sich auf etwa 5 Wochen. Die Labore zur Probenaufbereitung wurden im Juni in Betrieb genommen, derzeit noch als Interimslösung in Containern. Die Baugenehmigung zur Sanierung der Labore im Institutsgebäude liegt aber vor. Erste 10Be- und 26Al-Präparationen von geologischen Proben wurden erfolgreich durchgeführt. Im November soll noch ein zusätzlicher Techniker eingestellt werden. Im WS 2012/2013 findet in den Probenaufbereitungslaboren zum ersten Mal der Laborkurs ‘Kosmogene Nuklide‘ für Masterstudenten der Geowissenschaften statt.

Weitere Informationen zum AMS unter: http://www.cologne-ams.de

Herr Remes berichtet zur Entscheidung in der Exzellenzinitiative am 15. Juni: Im geowissenschaftlichen Bereich werden die drei Exzellenzcluster in Kiel, Hamburg und Bremen weitergefördert, es kam aber keine neue Initiative hinzu. Im Rahmen des Forschungsmarketings „Research in Germany“ stellten sich die drei Cluster auf dem diesjährigen Treffen der American Geophysical Union (AGU) in San Francisco vor. Dort wurde auch eine Beratung für ausländische Wissenschaftler angeboten und über die verschiedenen Fördermöglichkeiten der DFG informiert.

Integrated Ocean Drilling Program (IODP)

Herr Erbacher berichtet von der Bewilligung des Antrags auf Weiterführung des DFG Infrastruktur-Schwerpunktprogramms (ISPP) 527 zur Mitgliedschaft im European Consortium for Ocean Research Drilling (ECORD) als Teil des neuen International Ocean Discovery Program (Abk. wieder IODP). Das SPP wurde für weitere fünf Jahre bewilligt.

Im Herbst 2012 trat Brasilien dem IODP bei, die Anzahl der Mitgliedsstaaten erhöht sich damit auf 26. IODP steht in Verhandlungen mit Indonesien und Südafrika als potenziellen neuen Mitgliedern.

Das Forschungsbohrschiff Chikyu hat zwei Weltrekorde vor Japan gebohrt: Auf der Expedition 343 wurden über 850 Meter Sedimente und Gesteine in fast 7000 Metern Wassertiefe erbohrt. Die Bohrung auf der Expedition 337 ist mit über 2100 Metern bislang die tiefste wissenschaftliche Meeresbohrung.

Herr Erbacher berichtet über die kommenden IODP-Expeditionen (Details unter: http://www.iodp.org/expeditions).
Voraussichtlich wird in Kürze Israel, dann 19. Mitglied, ECORD beitreten.

Das neue IODP beruht auf drei Säulen, die durch die jeweiligen Organisationen als unabhängige Plattformen betrieben werden. Die NSF wird das Forschungsbohrschiff JOIDES Resolution betreiben, Japan (MEXT/Jamstec) setzt das Riser-Bohrschiff Chikyu ein und ECORD chartert Mission Specific Platforms (MSP). Die Bohranträge werden in einer gemeinsamen Evaluierungsstruktur begutachtet und anschließend an die jeweiligen Plattformbetreiber zur Implementierung zugewiesen.

International Continental Scientific Drilling Program (ICDP)

Herr Oberhänsli berichtet, dass der Antrag auf Fortführung des Schwerpunktprogramms 1006 im Juli 2012 bewilligt wurde. Vom 25. bis 27. März 2013 findet in Freiberg ein gemeinsames IODP/ICDP-Kolloquium statt.

Herr Horsfield berichtet über ICDP auf internationaler Ebene. Derzeit hat das Programm 24 Mitglieder, die Firma Schlumberger hat die Mitgliedschaft nicht verlängert. Er berichtet über die im Rahmen von ICDP laufenden Bohrprojekte (Details unter: http://www.geo.uni-potsdam.de/icdp_homepage/highlights/index.html). Die Bohrungen im Projekt Lake Ohrid, die für September/Oktober 2012 geplant waren, mussten wegen des Schadens an Bohrequipment beim Brand des Containerschiffs MSC Flaminia bis auf weiteres verschoben werden.

Herr Horsfield berichtet von der gemeinsam von IODP und ICDP herausgegebenen Zeitschrift Scientific Drilling, die in Japan editiert, gedruckt und von dort aus weltweit verteilt wird. Die halbjährlich erscheinende Zeitschrift ist das Aushängeschild der beiden Bohrprogramme. Allerdings wird das zuständige IODP-MI Büro in Tokio im Herbst 2013 geschlossen und es wird geprüft, ob die Zeitschrift zukünftig in Potsdam produziert werden kann.

Link Scientific Drilling:
http://www.icdp-online.org/front_content.php?idcat=1114&client=29&lang=28

Herr Horsfield gibt einen Überblick über Inhalt und Ziele der 3. ICDP Science Conference, die vom 11. bis 14. November 2013 in Potsdam stattfinden wird. Auf der Konferenz sollen der aktuelle Stand des Programms zusammengefasst und zukünftige Ziele entwickelt werden. Die Beziehungen der Mitgliedsstaaten untereinander sollen gestärkt und neue Partner gewonnen werden. Der zu erarbeitende ICDP Science Plan soll sich am Vorbild des neuen IODP Science Plan „Illuminating Earth´s Past, Present, and Future“ orientieren, der auf der INVEST-Konferenz 2009 in Bremen erarbeitet wurde. Auch bei Wissenschaftskommunikation und -marketing könne man von IODP lernen. Begleitend zur Konferenz soll eine neue, attraktive und übersichtliche ICDP-Internetseite online gehen. Diese Webseite soll als Arbeitsplattform dienen, auf Outreach-Aktivitäten hinweisen und auch neue Mitglieder anziehen.

Link:
Neue ICDP Website: http://www.icdp-online.org

Deutsches Forschungsbohrkonsortium GESEP e.V.

Herr Harms berichtet über die aktuellen Schwerpunktthemen von GESEP. Der Verein wurde gegründet als eine Kooperation wissenschaftlicher Einrichtungen mit Interesse und Beteiligung an Forschungsbohrungen im Meer, auf Land und im Eis.

Ziele von GESEP sind:

  • Bündelung der deutschen Expertise und Förderung des wissenschaftlichen Austauschs
  • Außendarstellung deutscher Bohraktivitäten und Forschungsprogramme
  • Aufbau einer Informationsplattform mit den Schwerpunkten:
    o Know-How, fachliche Beratung
    o Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten
    o technische und logistische Beratung
  • Unterstützung bei der Einführung technischer Neuentwicklungen
  • Ausbau der Industriekooperationen
  • Aufbau eines Archivs für kontinentale Bohrkerne
  • Aufbau und Koordination eines Datenarchivs
  • Weiterbildung und Training

GESEP hat mittlerweile 15 über ganz Deutschland verteilte Mitglieder.

Im Jahr 2009 erfolgte der Aufruf zur Einrichtung eines Kernlagers für kontinentale Kerne. Das MARUM (Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, Universität Bremen) und die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR, Hannover) reichten ein gemeinsames Konzept ein. Die gekühlten Sedimente werden in Bremen und die bei Normaltemperatur gelagerten Festgesteine können in Berlin-Spandau gelagert werden. Innerhalb des ICDP Projekts „Lake Van“ fand 2010 die erste Sampling Party am MARUM statt. Im September 2012 wurde das Bohrkernlager am BGR-Standort in Berlin-Spandau eröffnet.

Bei Aufbau und Koordination eines Datenarchivs war der erste Schritt die Entwicklung der Software CURATION DIS, die bereits am MARUM in Bremen getestet und auf Ausfahrten angewendet wird. Der zweite Schritt ist die Entwicklung eines Internetportals, auf dem mehrere Kernlager zu finden sind, vor allem aber Proben aus dem Kernlager in Bremen und von GESEP.

Herr Harms berichtet von Forschungsbohrungen im Thüringer Becken im Rahmen des INFLUINS Projekts, das im Februar beginnen soll (http://www.influins.uni-jena.de/). Die im März laufenden Bohrungen könnten auf der dann stattfindenden GESEP School präsentiert werden. Die GESEP School 2013 findet am 27. und 28. März 2013 im Anschluss an das DFG-Kolloquium IODP/ICDP in Freiberg statt. Themenschwerpunkt wird die Bohrtechnik sein. Mit den möglichst praxisnah ausgerichteten Kursen richtet GESEP sich vor allem an junge Geowissenschaftlerinnen und Geowissenschaftler, denen Grundlagen des wissenschaftlichen Bohrens vermittelt werden sollen.

Link: http://www.gesep.de

Vorschläge für Rundgespräche und Großgeräte

Herr Harms (Potsdam) stellt einen Großgeräte-Vorschlag von GESEP zur „Entwicklung und Erprobung eines Mehrkomponenten-Sedimentkernsystems mit großer Teufenreichweite“ vor. Es handelt sich dabei um ein flexibles, containerbasiertes System, das insbesondere in Seen eingesetzt werden soll. Es basiert auf einer Weiterentwicklung eines Kolbenlotkerngeräts der Firma UWITEC und soll mit einem neuartigen Im-Loch-Hammer ausgerüstet werden, um größere Sedimenttiefen erreichen zu können. Damit sollen auch Hartlagen, wie z. B. Aschen oder kompaktierte Sedimente durchörtert werden. Die gesamte Anlage soll in maximal vier 20-Fuß-Containern verschifft werden, um einen schnellen und günstigen Transport zu gewährleisten. Für die Wartung des Systems sind das GFZ und die FH Bochum vorgesehen. Die Unterhaltungsgebühren sollen durch eine Kostenbeteiligung der Nutzer sichergestellt werden.

Herr Schäfer (Karlsruhe) stellt einen Vorschlag für ein Rundgespräch zum Thema „Anthropogen induzierte geochemische Gradienten in niedrig-permeablen tiefengeologischen Formationen“ vor. Es sollen Aspekte gekoppelter Prozesse auf der Mikro-skala als Basis für eine Beschreibung der realen makroskaligen Heterogenität eines Endlagersystems zu diskutiert werden. Dafür sollen Experten unterschiedlicher Fachrichtungen, z. B. Geologen, Geophysiker, Geografen, Chemiker, Physiker, Mathematiker, Informatiker und Sozialwissenschaftler eingeladen werden. Ziel des Gesprächs ist es, den Rahmen für ein neues Schwerpunktprogramm zur Beschreibung von gekoppelten Prozessen in niedrig-permeablen geologischen Systemen (speziell Tonstein) zu entwickeln. Dadurch soll eine stärkere nationale universitäre Vernetzung und die Zusammenarbeit mit internationalen Experten gefördert werden.

Herr Seitz (München) stellt einen Vorschlag für ein Rundgespräch zum Thema „Global Geodetic Observing System (GGOS): Konsistente geodätische Erdbeobachtungsdaten als Fundament für die Beobachtung und das Verständnis des globalen Wandels“ vor. Seit 2007 bündelt die International Association of Geodesy (IAG) im Rahmen ihres Projektes Global Geodetic Observing System (GGOS) die verschiedenen geodätischen Raumbeobachtungsverfahren. Wesentliches Ziel von GGOS ist die Unterstützung der Erdsystemforschung mittels hochgenauer und konsistenter geodätischer Beobachtungsdaten. Zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland sind an GGOS beteiligt. Es fehlt bisher ein koordinierter Gesamteinsatz, wobei ein koordiniertes DFG-Programm einen größeren Nutzen der weltweiten Daten mit einem signifikanten Beitrag deutscher Wissenschaftler zur Weiterentwicklung von GGOS leisten könnte. Schwerpunkt soll eine bessere Nutzung von GGOS als Beobachtungs- und Monitoring-Systemen für die Erdwissenschaften sein.

Herr Handy (Berlin) stellt einen Vorschlag für ein Rundgespräch zum Thema „AlpArray – Imaging transient processes on different scales during mountain building“ vor. Die europäischen Alpen sind ein Gebiet mit intensiver tektonischer und seismischer Aktivität und zudem eines der Gebiete, welches am engsten besiedelt ist. Diese Aktivitäten und die damit verbundenen Gefahren sind von großem sozialem und ökonomischem Interesse. Im Rahmen eines Rundgesprächs sollen die transienten Prozesse im Erdinneren mit den Auswirkungen auf die Oberfläche diskutiert werden. Die Initiative hat zwei Komponenten.

  1. Die Entwicklung von neuen Instrumenten, um das Erdinnere bis zur Mantelübergangszone (410-660 km) zu studieren.
  2. Multidisziplinäre Studien zur Empfindlichkeit der Krustenstruktur und Gebirgslandschaft bezüglich Heterogenitäten in der Mantelstruktur zu untersuchen. In Planung sind mehrere Schnitte über die Alpen mit Breitbandseismometern.

An dieser Initiative beteiligt sind mehrere Institute aus Deutschland und anderen europäischen Ländern. Geplant sind eine zusammenfassende Publikation und die Bereitstellung weiterer Informationen, die über eine Webseite zur Verfügung gestellt werden.

Herr Krautblatter (München) stellt einen Vorschlag für ein Rundgespräch zum Thema „Multirisk-Ansätze für Naturgefahren im Hochgebirge“ vor. Hochgebirge besitzen eine Schlüsselfunktion in Bezug auf globale Wasserressourcen, Energie- und Verkehrsinfrastruktur, touristische Nutzung und Besiedlung. Sie sind im besonderen Ausmaß gegen Naturgefahren exponiert und zudem lassen sich wegen fehlender Infrastruktur Hilfsmaßnahmen nicht so einfach einleiten, wie in flachen Regionen. Im Zentrum des Projekts steht ein naturwissenschaftlich-technischer Ansatz unter Einbeziehung von Partnern in Österreich und der Schweiz. In einem komplexen Modell sollen die betroffenen Siedlungsräume mit ihrem baulichen Bestand sowie die Leistungsfähigkeit der Infrastruktur bewertet werden, um Notfallsituationen auch vor Eintritt eines Katastrophenfalls überblicken zu können. Verwandte Forschungen laufen bereits für Großstädte. Der Vorschlag wird von Professoren der TU München und der Universität der Bundeswehr München eingereicht.

Link: Liste der Rundgespräche

SFB-Transregio-Initiative “Late accretion and the early earth-moon system”

Herr Becker (Bern) berichtet über die SFB-Transregio-Initiative „Late accretion and the early earth-moon system“. Partner an den beiden Standorten Berlin-Potsdam und Münster sind die Freie Universität Berlin, die Technische Universität Berlin, die Universität Potsdam, die Universität Münster, das Museum für Naturkunde Berlin, die DLR Berlin und das Geoforschungszentrum Potsdam.

Rundgespräch zu Transdisciplinary Paleobiology of Fossil Tetrapods

Herr Sander hatte auf der 3. Sitzung der SK ZAG einen Vorschlag für ein Rundgespräch zum Thema „Transdisciplinary Paleobiology of Fossil Tetrapods“ vorgestellt. Herr Sander kann an der Sitzung nicht teilnehmen, Herr Wefer berichtet deshalb anhand einer von Herrn Sander eingereichten Zusammenfassung: Das Rundgespräch fand am 28. und 29. Juni 2012 am Steinmann-Institut der Universität Bonn statt. Ziel des Rundgesprächs war es, das Potenzial des Forschungsansatzes für ein interdisziplinäres Schwerpunktprogramm auszuloten.

Die Diskussion zu den fünf Themenbereichen (Terrestrialisierung, Herbivorie, Säugetier-Evolution, sekundär aquatische Anpassung, Flug) wurde engagiert und teils kontrovers geführt. In der Abschlussdiskussion bestand aber Einigkeit, dass das Thema in dieser oder leicht abgewandelter Form für ein Schwerpunktprogramm tragfähig ist. Auch die Strukturierung des geplanten SPP in vier oder fünf Unterbereiche kann sich an den Themenblöcken des Rundgesprächs orientieren. Der Antrag zur Einrichtung eines SPP wurde am 15. Oktober 2012 unter dem Titel „Cascades and Constraints in the Evolution of Tetrapod Lifestyles“ eingereicht. Kontaktperson ist Herr Sander.

Arbeitsgemeinschaft Geowissenschaftlicher Nachwuchs

Herr Sasgen berichtet aus der Arbeitsgemeinschaft Geowissenschaftlicher Nachwuchs (AG Nachwuchs) und über das Vorhaben, bei der DFG einen Antrag auf ein Netzwerktreffen einzureichen. Die AG Nachwuchs hat auf Grundlage des DFG-Rundgesprächs „Fach- und skalenübergreifende Untersuchungen von Prozessen in Geosystemen“, das im Oktober 2011 in Weimar stattfand, das Synthese-Papier „Interdisziplinarität aus Sicht des geowissenschaftlichen Nachwuchses“ erstellt. Es soll in der Zeitschrift GMit veröffentlicht werden und ist online auf den Internetseiten der SK ZAG zu finden (http://www.sk-zag.de/AGN_SP2.html). Die Nachwuchsgruppe diskutiert momentan einen Vorstoß für ein weiteres Rundgespräch zum Thema “Neue Kommunikationsmittel in der Wissenschaft”, in dem Blogs, ResearchGate, OpenSource etc. thematisiert werden sollen.

Aufbau einer gemeinsamen geowissenschaftlichen Fachgesellschaft

Herr Wefer berichtet in Vertretung für Herrn Littke zu den Bestrebungen der Schaffung einer gemeinsamen geowissenschaftlichen Fachgesellschaft.

Die Zersplitterung der Geowissenschaften in viele kleine Gesellschaften, die heute eine schlagkräftige Arbeit erschwere, habe vor allem auch historische Gründe. Die Aufteilung in Deutsche Gesellschaft für Geowissenschaften (DGG), Geologische Vereinigung (GV), Deutsche Mineralogische Gesellschaft (DMG), Deutsche Paläontologische Gesellschaft und Deutsche Geophysikalische Gesellschaft (DGG) sei auch vor dem Hintergrund des mittlerweile zusammengefassten geowissenschaftlichen Studiums nicht zeitgemäß und behindere mögliche Synergien.

Zur Gründung eines Dachverbandes sei inzwischen eine Satzung erarbeitet worden. Nachdem ein Jahr lang alle Möglichkeiten einer Fusion ausgelotet wurden, scheint eine solche nun nur zwischen GV und DGG (Bereich Geologie) möglich.

Die SK ZAG betont die Wichtigkeit eines gemeinsamen Verbandes, der schlagkräftig die Interessen der Geowissenschaften vertritt. Eine gemeinsame nationale Tagung in den Geowissenschaften wäre eine gute Möglichkeit, sich gegenüber den Tagungen der European Geosciences Union (EGU) und der American Geophysical Union (AGU) aufzustellen.

Zusammenarbeit mit den Fachkollegien

Herr Dullo berichtet als Sprecher des Fachkollegiums 314 Geologie und Paläontologie zur Arbeit der Fachkollegien. In den Fachkollegien werden alle Anträge fachübergreifend gemeinsam diskutiert. In den letzten drei bis vier Jahren habe es gehäuft sehr gute Anträge gegeben, die aufgrund der begrenzten Finanzmittel nicht gefördert werden konnten. Entscheidend sei, dass bei der Bewilligung von Forschergruppen auch auf die Mittel des Normalverfahrens zugegriffen wird. Herr Lüniger weist auf das Kosselleck-Projekt hin. Damit können besonders innovative und risikobehaftete Projekte gefördert werden.

Geographenkongress IGC in Köln

Herr Brückner berichtet vom Internationalen Geographenkongress (IGC), der vom 26. bis 30. August 2012 in Köln stattfand. Der Kongress wurde das erste Mal 1875 in Paris abgehalten und seitdem erst ein einziges Mal in Deutschland (1899 in Berlin). Veranstalter des IGC 2012 war die International Geographical Union (IGU), Ausrichter die Deutsche Gesellschaft für Geographie (DGfG) und die Universität zu Köln. Der Kongress wurde bewusst nicht in einem Kongresszentrum, sondern in den Räumlichkeiten der Universität veranstaltet, was auch niedrige Tagungsgebühren ermöglichte. Zum IGC kamen insgesamt 2556 Teilnehmer, darunter fast 30 Prozent Nachwuchswissenschaftler. Damit ist der IGC 2012 der größte aller Zeiten. Neben einer Verlagsausstellung und Poster-Sessions gab es insgesamt 440 Vortrags-Sessions. Ein besonderes Highlight des Rahmenprogramms war die GeoOlympiade für Schüler. Herr Wefer beglückwünscht die Organisatoren zu der gelungenen Veranstaltung. Er begrüßt es, solche Veranstaltungen an Universitäten auszurichten, zum einen wegen des finanziellen Aspekts, zum anderen wegen der besonderen Atmosphäre.

Gemeinsame Ausschreibung BMBF/DFG im GEOTECHNOLOGIEN-Programm

Das BMBF plant als Nachfolge des GEOTECHNOLOGIEN-Programms ab 2015 ein neues geowissenschaftliches Programm unter dem Arbeitstitel: "GEO:N" (Geoforschung:Nachhaltigkeit) als gemeinsames Vorhaben mit der DFG. Es soll 2013 entwickelt werden, so dass die Ausschreibung 2014 erfolgen könnte. Bewilligte Projekte könnten dann ab 2015 gefördert werden.

TANDEM-L-MEMORANDUM

TANDEM-L ist ein Vorschlag für eine Satellitenmission zur globalen Erfassung dynamischer Prozesse in einer bisher nicht erreichten Qualität und Auflösung. Zwei Radar-Satelliten im L-Band (23,6 cm Wellenlänge) ermöglichen die hochauflösende Abbildung der Erdoberfläche, unabhängig von Wetter und Tageslicht und bieten damit die optimale Voraussetzung für eine kontinuierliche Beobachtung dynamischer Prozesse auf der Erdoberfläche. Das Konzept wurde in einer mehrjährigen Vorphase im Detail ausgearbeitet. Es baut auf den bisherigen SAR-Missionen Deutschlands auf. Ein Start könnte 2019 erfolgen.

Verschiedenes

Hingewiesen wird auf die 4th International Geosciences Student Conference, die vom 25. bis 28. April 2013 in Berlin stattfinden wird (http://igsc-2013.com/). Ausgerichtet wird diese internationale Konferenz von der Student Geoscientific Society e.V. (http://www.geo-x.net/sgs.html), einer Gruppe von Studenten, die überwiegend an der Freien Universität Berlin beheimatet sind. Ziel der Veranstaltung ist es, dem wissenschaftlichen Nachwuchs (B.Sc.-Ph.D.) eine Plattform zu bieten, um ihre Arbeiten einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Erwartet werden mehr als 500 Teilnehmer.

Die 5. Sitzung der SK ZAG findet am 16. und 17. April 2013 in Kassel statt.

zuletzt geändert am 2014-12-02 08:58:59 durch Dr. Frank Schmieder | Impressum