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Newsletter 07/2014

Nach jeder Sitzung berichtet die Senatskommission für Zukunftsaufgaben der Geowissenschaften (SK ZAG) in einem Newsletter über wichtige Entwicklungen und Entscheidungen. Der Newsletter 07/2013 basiert auf dem Protokoll der 7. Sitzung der SK ZAG, die am 12. und 13. März 2014 in Berlin stattfand.

Bericht aus dem BMBF

Herr Alecke berichtet von der paneuropäischen Joint Programming Initiative „Healthy and Productive Seas and Oceans“ (JPI Oceans). Deutschland ist in JPI Oceans momentan in zwei Pilotaktionen aktiv: (1) Ecological Aspects of Micro-plastics in the marine environment und (2) Ecological Aspects of Deep-sea Mining. Im Rahmen des letztgenannten Projekts wird mit Blick auf Manganknollenvorkommen im März 2015 eine Expedition mit dem neuen Forschungsschiff FS SONNE in den Pazifik stattfinden. Im geplanten Arbeitsgebiet hatte im Rahmen des Projekts DISCOL (DIS-turbance and Re-COLonization of a Manganese Nodule Area in the deep South East Pacific Ocean off Peru) bereits von 1988 bis 1998 eine erste Langzeitstudie zu den Folgen eines potentiellen industriellen Eingriffs in der Tiefsee stattgefunden. Ziel der geplanten Expedition, an der acht Partnerländer teilnehmen, sind umweltökologische Untersuchungen für die Entwicklung akzeptabler Abbau-Verfahren im Tiefseebergbau. Diese einzigartige Studie ist international hochbeachtet. Auch die internationale Meeresbodenbehörde ist sehr an den Ergebnissen interessiert, da sie einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung eines Deep-Sea Mining Codes liefern könnten.

Herr Alecke berichtet von der gemeinsamen Ausschreibung von DFG und BMBF zum Thema Frühwarnsysteme im Rahmen des Programms GEOTECHNOLOGIEN. Im Dezember 2013 sind in einer Sitzung des Koordinierungsausschusses 11 Projektvorschläge mit einem Gesamtvolumen von etwa 13 Millionen Euro ausgewählt worden, die zu einer Antragstellung aufgefordert wurden. Am 8. Mai findet die Gutachtersitzung statt. Mit den zur Verfügung stehenden 6 bis 7 Millionen Euro können voraussichtlich 5 bis 6 Projekte gefördert werden.

Bericht aus der DFG

Herr Lüniger stellt Frau Sonntag vor, die seit September 2013 das Team in der Gruppe Physik, Mathematik, Geowissenschaften verstärkt. Am 28.3. entscheidet der Senat der DFG über die neuen Schwerpunktprogramme, die dann 2015 starten können. Im Bereich Geowissenschaften wurden 12 Skizzen eingereicht. Bei den Finanzen gibt es keine Verschlechterung zum Vorjahr. Die Bewilligungsquote lag 2013 DFG-weit bei 27,9 % (Normalverfahren, SPP, Forschergruppen) und bei den Geowissenschaften etwas darüber, im Bereich Geologie bei 29 %, im Bereich Geophysik bei 28 % und im Bereich Geochemie bei 36 %. Die Entwicklung in diesem Jahr deutet bisher auf eine Bewilligungsquote von etwa 30 % hin.

Herr Dullo weist darauf hin, dass die Fachkollegien aufgrund der angespannten Finanzsituation vor dem Problem stehen, viele sehr gute Anträge ablehnen zu müssen. In diesem Zusammenhang betont er, dass die Fachkollegien mit ihrer Arbeit voll ausgelastet sind und die perspektivische Arbeit, die die SK ZAG leistet, keinesfalls übernehmen können. Es sei wünschenswert, die Aufgabenteilung bei gegenseitiger Information durch Austausch von Protokollen fortzusetzen. Die Fachkollegien 314, 315 und 316 hätten daher auch ein einstimmiges Votum zur Fortsetzung des Mandats der SK ZAG abgegeben.

Herr Lüniger teilt mit, dass Deutschland in diesem Jahr den Vorsitz im Council von ECORD (European Consortium for Ocean Research Drilling) übernommen hat. In der europäischen Botschaft in Tokio ist in der letzten Woche ein Memory of Understanding zwischen ECORD und JAMSTEC (Japan Agency for Marine-Earth Science and Technology) unterzeichnet worden. Ein solches formelles Agreement gibt es innerhalb von IODP von Seiten der USA bisher nicht.

Im Rahmen von ECORD werden momentan zwei Ausschreibungen vorbereitet. Die Projekte EMA (ECORD Managing Agency) und ESO (ECORD Science Operator) laufen noch bis 2016 bzw. 2018, danach werden sie voraussichtlich neu ausgeschrieben. Herr Lüniger weist darauf hin, dass bei ECORD die Stelle der stellvertretenden Direktorin (bisher Milena Borissova) bis Ende März zur Neubesetzung ausgeschrieben ist.

Herr Lagier berichtet von der letzten Sitzung des Beirats der AMS-Anlage in Köln, die am 14. Februar in Köln stattgefunden hat. Trotz insgesamt drei Monaten Ausfall der Anlage im Sommer konnte die Anzahl der gemessenen Proben 2013 im Vergleich zum Vorjahr gesteigert werden (von 1120 auf 1315). Vergleiche mit Literaturwerten und den Messungen an einer AMS Anlage an der Australian National University belegen die hohe Messgenauigkeit der Kölner Anlage. Der Finanzbedarf der AMS-Anlage liegt bei etwa 250 k€ pro Jahr (davon etwa 73 k€ für Wissenschaftliche Hilfskräfte). Die Einnahmen betrugen 2013 125 k€, im Vorjahr lediglich 36 k€. Die Anfangsförderung der Universität Köln ist 2013 ausgelaufen, die Verwendung der noch freien Mittel in 2014 wurde genehmigt. Aus diesen Mitteln können nach Verlängerung des Verwendungszeitraums bis 2015 die Betriebskosten für 2014 und 2015 bestritten werden. Die noch freien Personalmittel könnten bei weiteren Einsparungen knapp bis Ende 2015 reichen. Ab 2016 müssten dann erstmalig erzielte Einnahmen eingesetzt werden. Es soll versucht werden, auch für die Zukunft eine Garantiezusage der Universität zum Ausgleich von Lücken im Finanzierungsplan zu erhalten. Im Probenaufbereitungslabor sind inzwischen alle Personalstellen besetzt. In 2014 sind noch folgende Arbeiten geplant:

  • Etablierung von 36Cl
  • Weiterentwicklung der Auswerte-Software für verschiedene Isotope; Modifizierung der Steuersoftware
  • Einbindung des CO2-Gassystems in das AMS Kontrollsystem
  • Optimierung der 26Al-Messungen
  • Messung von Kundenproben mit höchster Priorität

Mittlerweile misst eine große Anzahl an Universitäten aus dem In- und Ausland an der AMS-Anlage in Köln.

Links:

JPI Oceans

Ecological Aspects of Deep-Sea Mining

Integrated Ocean Drilling Program (IODP)

Herr Erbacher berichtet über das International Ocean Discovery Program (IODP). Er gibt einen Überblick über die Expeditionen im Zeitraum Herbst 2013 bis Ende 2014 und die ab 2015 mit JOIDES RESOLUTION und den Mission Specific Platforms geplanten Vorhaben. Im DFG-Schwerpunktprogramm 527 – Bereich Infrastruktur – International Ocean Discovery Program (IODP) wurden bis zur Deadline am 31. Januar 2014 52 Anträge eingereicht (2013 waren es 42), davon 39 Neu- und 13 Fortsetzungsanträge. André Bornemann ist ab April 2014 neuer wissenschaftlicher Mitarbeiter im IODP-Koordinationsbüro. Er bringt Erfahrungen als Teilnehmer an der IODP Expedition 342 und als Antragsteller im SPP mit. Herr Erbacher weist auf eine besondere Veranstaltung am Rande des ICDP-IODP Kolloquiums hin, das vom 17. Bis 19 März in Erlangen stattfindet. Am 18. März wird im Audimax der Universität eine 90-minütige Geo-Show für Schulklassen mit Wissenschaftlern und Live-Schaltungen zur JOIDES Resolution und ins IODP-Bohrkernlager am MARUM in Bremen stattfinden zu der sich bisher 500 Schülerinnen und Schüler angemeldet haben. Die Show wird live im Internet übertragen.

Herr Wefer berichtet über das ECORD Facility Board Meeting, das am 5. und 6. Mai in Bremen stattgefunden hat. Von den sieben diskutierten Anträgen könnten vier mit dem Meeresbodenbohrgerät MARUM-MeBo durchgeführt werden:

  • Proposal 581 Late Pleistocene Coralgal Banks
  • Proposal 716 Hawaiian Drowned Reefs
  • Proposal 758 Atlantis Massif Seafloor Processes
  • Proposal 813 East Antarctic Paleoclimate

Links:

Video zur Geo-Show „unterirdisch“

International Continental Scientific Drilling Program (ICDP)

Herr Oberhänsli berichtet über das Programm ICDP. Im DFG-Schwerpunktprogramm 1006 –Bereich Infrastruktur – Internationales Kontinentales Bohrprogramm (ICDP) wurden zur Deadline am 15. August 2013 insgesamt 51 Anträge zu 23 Bohrprojekten eingereicht. In 2014 wurden 31 Projekte bewilligt, 14 kamen zum Abschluss. 5 der bewilligten Projekte beschäftigen sich mit dem Eger Rift. Im Juni 2013 war das Projekt PIER-ICDP (Vogtland / North West Bohemian earth quake swarm) erfolgreich re-evaluiert worden. Das Resultat eines durch die Koordination unterstützten Workshops war ein Antragsbündel mit 8 Einzelprojekten. Aktuelle Aktivitäten der Koordinationsbüros des SPP sind die Organisation des ICDP-IODP-Kolloquiums in Freiberg (gemeinsam mit S. Buske), die Reaktivierung der Eger-Initiative, die Unterstützung von Arbeitstreffen und die Vorbereitungsarbeiten für ICDP Anträge, sowie das Entwerfen und Vorstellen von Postern, Aushängen und Texten. Daneben ist das Büro Anlaufstelle für deutsche Wissenschaftler für ICDP und pflegt den Internetauftritt mit aktuellen Informationen. Folgende Projekte wurden vom Büro finanziell unterstützt:

  • A. Schwalb (TU Braunschweig): Teilnahme an der “sampling party” Peten Itza Projekt (Guatemala)
  • S. Krastel (U. Kiel): Bathymetrie nach dem Ercan Erdbeben mit Seeseismik, Lake Van Projekt (Turkey).
  • V.Spiess (Bremen): Issyk Kul – Seismik mit “mariner” Ausrüstung

In 2013 wurden 66 peer-reviewed ICDP-Publikationen veröffentlicht, davon 2 in Nature und 3 in Geology. Daneben gab es 3 Buchbeiträge, 5 Editorships von Special Issues sowie 6 Doktor- und 2 Diplom- / Masterarbeiten.

Das ICDP-IODP-Kolloquium 2014 findet vom 17. bis 19. März an der Universität Erlangen statt, die Organisationsverantwortung liegt beim IODP Koordinationsbüro. Anschließend findet vom 19. bis 20. März die GESEP School statt.

Herr Littke teilt mit, dass im Sommer 2014 ein Weißbuch als ICDP Science Plan erscheinen wird.

Link:

Liste der in 2014 im Rahmen des SPP 2006 bewilligten Projekte

IUGS-DKN Jahrestreffen und Ausrichtung einer IUGG und/oder IUGS-(=IGC-) Konferenz in Deutschland im Zeitraum 2023/24

Herr Oberhänsli berichtet aus IUGS. Im Rahmen der IUGS-Initiative Resourcing Future Generations, die als Alternative zu IGCP geplant war, habe sich auch Deutschland stark engagiert. Zur Zukunft des International Geoscience Programme (IGCP), einem der erfolgreichsten Wissenschaftsprogramme der UNESCO, fanden auch Gespräche mit dem Deutschen Komitee für Nachhaltigkeitsforschung in Future Earth (DKN) statt. Eine Ad-hoc Arbeitsgruppe soll nun bis Mitte/Ende 2014 einen Vorschlag zur notwendigen Restrukturierung von IGCP erarbeiten.

Herr Oberhänsli informiert die Kommission über den Stand der Diskussion zur Ausrichtung einer IUGG und/oder IUGS-(=IGC-) Konferenz in Deutschland im Zeitraum 2023/24. Die Bewerbung für eine solche Konferenz müsste 2016 beim 35. International Geological Congress (IGC) in Südafrika abgegeben werden. Für die Organisation einer so großen Konferenz muss eine Agentur beauftragt werden, die Kosten werden auf etwa 300 k€ Euro geschätzt. Das BMBF unterstützt die Idee, die beiden Communities zusammenzubringen, sieht sich auch mit zuständig, jedoch nicht bereits in der Bewerbungsphase. Im Falle des Erfolgs einer Bewerbung hat das BMBF aber Unterstützung signalisiert. Die Helmholtz-Einrichtungen sind bereits in die Gespräche eingebunden. Bei der Wahl des Ausrichtungsortes muss bedacht werden, dass über 10 Tage etwa 50 Parallelveranstaltungen stattfinden und auch ein internationaler Flughafen ist Grundvoraussetzung. Die SK ZAG favorisiert nach Diskussion verschiedener Optionen Berlin, die Federführung eines einzusetzenden Lenkungsausschusses könnte dann beim GFZ liegen. Im Lenkungsausschuss sollten nach Meinung der SK ZAG Vertreter der Helmholtz-Einrichtungen, aus den geologischen Diensten, der GeoUnion, der SK ZAG sowie die Vorsitzenden der Landeskomitees beteiligt werden. Dieses Gremium müsste die Bewerbung bis 2015 fertigstellen.

GEOTECHNOLOGIEN-Nachfolgeprogramm Geo:N

Herr Alecke gibt einen Rückblick auf das erfolgreiche, gemeinsam von DFG und BMBF getragene Programm GEOTECHNOLOGIEN. Das Programm läuft Ende 2014 aus und es gibt Überlegungen für ein Nachfolgeprogramm GEO:N (Geoforschung für Nachhaltigkeit). Herr Alecke erläutert die Einbindung von GEO:N in die Programmstruktur des neuen BMBF-Rahmenprogramms FONA3. Der in Arbeit befindliche Entwurf sieht folgende Aspekte vor:

  • GEO:N ist offen angelegt, über mehrere Jahre neue Themenfelder identifizierbar
  • Förderbekanntmachungen im Rahmen von GEO:N
  • Prospektion: voraussichtlicher Bedarf in wichtigen Zukunftsfeldern
  • Kann flexibel auf aktuelle forschungspolitische Entwicklungen reagieren
  • Themenfelder ergänzen sich oder lassen sich miteinander kombinieren
  • Grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung verbinden
  • Agendaprozess: notwendige Partner sowie alle relevanten gesellschaftlichen Gruppen frühzeitig in die Entscheidungsprozesse einbinden - Begleitforschung

In GEO:N soll es einen terrestrischen und einen marinen Schwerpunkt geben. Mögliche Forschungsthemen im Bereich der terrestrischen Geowissenschaften sind Erkundung, Nutzung und Schutz des unterirdischen Raumes oder Frühwarnung vor Naturgefahren. Themen im Bereich der marinen Geowissenschaften sind die Paläoklimatologie, aktive Plattenränder, Plattentektonik und Vulkanismus, passive Kontinentalränder und ihre Rohstoffe sowie marine mineralische Rohstoffe. Neben dieser, in den beiden Schwerpunkten angesiedelten Forschung sollen auch Querschnittsthemen wie etwa Forschungstechnologien und Infrastrukturen, Erdbeobachtung und Geodaten oder Projekte in der Öffentlichkeitsarbeit und Dialogprozesse gefördert werden. Das Programm soll wieder von einem Beirat begleitet werden.

Die SK ZAG diskutiert den vorgestellten Entwurf. Es wird angeregt, über eine gemeinsame Finanzierung von DFG und BMBF nachzudenken, um das Problem der völlig unterschiedlichen Finanzierungssysteme zu lösen. Vorbildlich sei die bereits im Programm GEOTECHNOLOGIEN realisierte Zusammenführung von grundlagen- und anwendungsbezogener Forschung, die zu einer sehr intensiven Verschränkung der beiden Communities geführt habe. Damit haben GEOTECHNOLOGIEN und GEO:N eine Vorreiterrolle übernommen.

Deutsches Forschungsbohrkonsortium GESEP e.V.

Herr Harms berichtet über GESEP. Das im Rahmen von GESEP entwickelte Drilling Information System ist als offenes Web-Portal inzwischen online (s. Links). In diesem „virtuellen Kernlager“ sind bisher die Daten des Bohrkernlagers am MARUM und des Kernlagers der BGR in Berlin-Spandau zusammengeführt. Das Portal soll nun ausgeweitet werden. Die nächste GESEP School findet am 19. und 20 März 2014 im Anschluss an das IODP/ ICDP-Kolloquium der DFG in Erlangen statt. Das Thema der GESEP School ist Initial Drill-Core Processing, Analyses and Archiving – “Hands-on introduction to initial core handling and measurements: from drilling rig to core repository”. GESEP wird auf der GeoFrankfurt im September 2014 eine Session zum Thema Scientific Drilling organisieren. Aktuell wird in GESEP auch an der Neuentwicklung eines Mehrkomponenten-Bohrsystems gearbeitet.

Links:

GESEP

Virtual Core Repository

Zusammenarbeit zwischen Universitäten und HGF-Einrichtungen: Vorstellung Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ

Die SK ZAG ist bestrebt, die Zusammenarbeit der Universitäten mit den Einrichtungen der Helmholtz-Gesellschaft aus dem Bereich der Geowissenschaften zu fördern. Um einen Überblick über die bestehenden Kooperationen und weitere Möglichkeiten zu bekommen, wurden die betroffenen Einrichtungen gebeten, sich bei der SK ZAG vorzustellen. Auf der letzten Sitzung der SK ZAG wurden das Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Po-lar- und Meeresforschung (AWI) und das Helmholtz-Zentrum Potsdam, Deutsches Geofor-schungszentrum (GFZ) vorgestellt. Die Präsentationen der Helmholtz-Zentren sind auf der Website der SK ZAG als PDF abgelegt (s. Links).

Herr Teutsch stellt das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) vor. Nach einem Überblick über Budget, Personal und die Entwicklung des UFZ seit der Gründung 1991 erläutert er das neue Mandat, das seit 2004 lautet: Erforschung der komplexen Wechselwirkungen zwischen Mensch und Natur unter dem Einfluss des globalen Wandels. Ziel ist es, Systemlösungen zum Management komplexer Umweltsysteme und zur Überwindung von Umweltproblemen zu erarbeiten. Nach Darstellung der Forschungsschwerpunkte geht er insbesondere auf die Bedeutung der Zusammenarbeit mit Universitäten ein. Neben der gemeinsamen Berufung von Professoren und der Projektzusammenarbeit betont er die gemeinsame Nachwuchsförderung im Rahmen des Programms HIGRADE, einer Graduiertenschule von UFZ und 6 Universitäten mit 42 Stipendiaten und insgesamt 250 Doktoranden. Auch neue Formen der Zusammenarbeit stellt er vor, so organisatorische Plattformen wie das Netzwerk und Forum zur Biodiversitätsforschung Deutschland (NeFo) und die Water Science Alliance. Die Zusammenfassung der Vorstellung findet sich auf der Website der SK ZAG(s. Link). Herr Wefer dankt Herrn Teutsch für die Vorstellung des UFZ.

Herr Emeis stellt das Helmholtz-Zentrum Geesthacht – Zentrum für Material- und Küstenforschung (HZG) vor. Am Zentrum sind an den Standorten Geesthacht und Teltow bei Berlin etwa 950 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt (inkl. Außenstellen in Hamburg, Berlin und München). Die Grundfinanzierung trägt zu 90% das BMBF, den Rest die Länder Schleswig-Holstein (5,7%), Hamburg (2,3%), Niedersachsen und Brandenburg (je 1%). Die Arbeiten beschäftigten sich zu etwa 2/3 mit Material- und zu 1/3 mit Küsten- und Klimaforschung. Bei der Vorstellung des Führungsteams und weiterer Professuren verweist Herr Emeis auf gemeinsam mit Universitäten durchgeführten Berufungen. Nach einigen Beispielen aus der Materialforschung aus den Bereichen Mobilität und Energie, sowie Gesundheit fokussiert Herr Emeis auf die Küsten- und Klimaforschung. Vor dem Hintergrund des großen ökologischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Interesses an Küstenräumen sind die Kernfragen:

  • In welchem Zustand sind die Küsten und Küstenmeere heute?
  • Wie ändert sich der Zustand kurz- und langfristig?

Bei den Forschungsarbeiten dienen die Deutsche Bucht und Ihre Küstenräume als global übertragbares Beispiel. Die Kernkompetenzen des Zentrums liegen in der Entwicklung von operationellen Beobachtungssystemen, der Untersuchung von Stoffströmen und Depositionsdynamik sowie der Biogeochemie im Küstenmeer und der Erforschung der langfristigen Dynamik und Veränderung mit Systemanalysen und Modellierung. Er stellt das Projekt COSYNA (Coastal Observation System for Northern and Arctic Seas) vor, dessen Ziel die Verbindung von in-situ Messungen und Modellen zur Zustandsbeschreibung und Kurzfrist-Vorhersage ist. Eine Anwendung ist z.B. die Entwicklung einer Vorhersage bei Ölunfällen oder chemischen Unfällen in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) und dem Deutschen Wetterdienst (DWD). Herr Emeis stellt die Projekte coastDat und coastMap vor. Ziel ist die Entwicklung eines Web-Portals mit lückenlosen Karten und Modellen auf der Basis vorhandener Datensätze.

In der Diskussion mit der SK ZAG weist Herr Emeis auf die enge Zusammenarbeit mit der Universität Hamburg (CLISAP) und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel hin. Für das HZG sei es sehr wichtig, die Vielfalt der Universitäten in der Nähe der Standorte zu nutzen. Im Gegenzug könnten Lücken, die an den Universitäten entstanden sind, geschlossen werden. Als Beispiel nennt er die Forschung zu Nanopartikeln im Meer, ein Thema, das bisher noch zu wenig Beachtung finde. Hier könnte das HZG mit seinen ausgezeichneten analytischen Kapazitäten beitragen. Auf Nachfrage erläutert Herr Emeis, dass coastMap momentan noch nicht Daten im Sediment erfasst. Eine solche Erweiterung des Systems ist für eine Nutzung auch im Bereich der Geowissenschaften durch die Integration entsprechender Datensätze zukünftig aber durchaus denkbar. Zur Abgrenzung zum Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) erklärt Herr Emeis, dass das HZG zwar auch in der Ostsee aktiv ist und z.B. auch das internationale Sekretariat für das Programm Earth System Science for the Baltic Sea Region (BALTEX) betreibt, der Hauptschwerpunkt der Arbeiten aber klar im Bereich der Nordsee liege, vor allem wegen deren Entwicklung und dem hohen menschlichen Druck. Herr Wefer weist darauf hin, dass das Konsortium Deutsche Meeresforschung (KDM) sich im Bereich der Küstenforschung um eine noch bessere Koordination der Arbeiten bemüht. Er dankt Herrn Emeis für die Vorstellung des HZG.


Links:

Website des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung – UFZ

Präsentationen der Helmholtz-Zentren bei der SKZAG

Website des Helmholtz-Zentrums Geesthacht 

Datenportal coastDat

Datenportal COSYNA

Rundgespräch „Geowissenschaftliche Forschung in den Polargebieten“

Herr Wefer berichtet vom Rundgespräch „Geowissenschaftliche Forschung in den Polargebieten“, das am 25. Februar 2014 am MARUM in Bremen stattgefunden hat. Der umfassende Bericht zum Rundgespräch mit Kurzusammenfassungen der Vorträge und den Ergebnissen der Diskussion findet sich auf der Website der SK ZAG. Die SK ZAG betont die große Bedeutung der Polarforschung für die deutsche Wissenschaft. In der Antarktis geht es bei den Arbeiten der BGR und anderer deutscher Forschergruppen darüber hinaus darum, Deutschland dort ein Mitspracherecht zu erhalten. Mit Blick auf die schwierige Situation in der Lehre wird darauf hingewiesen, dass sich Universitäten hier aufgrund der aufgezeigten Kooperationsmöglichkeiten eine einmalige Chance zur Profilierung mit einem Schwerpunkt Polarforschung bietet. Um einen Überblick über die Situation an den Universitäten zu bekommen, soll von der SK ZAG zunächst eine Liste der Standorte erarbeitet werden, an denen in Bachelor- und/oder Masterstudiengängen polarbezogen gelehrt wird. Frau Pfeiffer hat diesbezüglich bereits Kontakt zu Universitäten aufgenommen. Auf der Basis der Rückmeldungen aus dieser Umfrage soll eine Zusammenstellung ausgearbeitet und auf der Website der SK ZAG veröffentlicht und ständig aktualisiert werden.

Link:

Zusammenfassung des Rundgesprächs

Vorstellung des Meeresbodenbohrgeräts MeBo200

Herr Wefer stellt das am MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen entwickelte Meeresbodenbohrgerät MARUM-MeBo200 vor. Das Gerät ist eine Weiterentwicklung des seit 2005 erfolgreich eingesetzten Bohrgeräts MeBo70 mit einer nun größeren maximalen Bohrtiefe von 200 Metern. Mit beiden Geräten können Sedimente und Festgestein erbohrt werden. Die Geräte können dazu von normalen Forschungsschiffen aus eingesetzt werden und bieten somit oftmals kostengünstige Alternativen zu aufwendigen Expeditionen mit Bohrschiffen. Herr Wefer gibt einen Überblick über die bisherigen Arbeiten mit MeBo70. Er verweist auf mögliche Nutzungen der Bohrgeräte im Rahmen von ECORD. Beide Geräte werden zukünftig parallel genutzt und am MARUM für spezielle Forschungsfragen weiterentwickelt.

Link:

Informationen zum Meeresbodenbohrgerät MARUM-MeBo

Bürgerdialog

Herr Weißkopf, Geschäftsführer von Wissenschaft im Dialog (WiD), berichtet von Erfahrungen mit der Öffentlichkeitsbeteiligung in der Wissenschaft. Er stellt zunächst kurz die Entwicklung von WiD und einige wichtige Projekte wie Wissenschaftssommer, MS Wissenschaft oder die Wissenschaftsjahre vor. Im Zuge der Neuorientierung von WiD aufgrund der Änderung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sind die folgenden strategischen Ziele definiert worden:

  • Gemeinsam nationale Projekte umsetzen
  • Meinungsbildung initiieren, offenen Dialog führen, Bürgermeinungen in Entscheidungsprozesse einbringen
  • Neue Formate entwickeln, die neue Zielgruppen erreichen und Erkenntnisprozesse vermitteln
  • Plattform für den Erfahrungsaustausch, führender Akteur der Branche sein

Mit Blick auf den zweiten Punkt geht Herr Weißkopf der Frage nach, warum Bürgerbeteiligung bei bestimmten wissenschaftlichen Projekten zunehmend an Bedeutung gewinnt. Prominente Beispiele sind die oft nicht mehr kontrollierbar und teilweise realitätsfern diskutierten Themen Geothermie oder Fracking. Neue, erfolgversprechende Formate zur Einbindung von Bürgermeinungen sind Bürgerkonferenzen, Bürgerausstellungen, Konsensuskonferenzen, Junior-Science-Cafés, Schülerforen, Schülerparlamente, Internetplattformen, Fishbowl-Diskussionen oder ein World Café. Als Praxisbeispiel für eine vorbildlich durchgeführte Bürgerbeteiligung stellt er den Dialogprozess zur Geothermie beim Überlandwerk Groß-Gerau vor. Als Maßnahmen fanden hier Interviews, Bürgerkonferenzen, die Einrichtung eines Beirats, Online Dialoge und Anwohner-Workshops Anwendung. Die öffentlich geführte Diskussion führte schließlich zu einem Votum des Beirats und einem positiven Bürgerentscheid.

Links:

Wissenschaft im Dialog

Dialog zur Geothermie im Kreis Groß-Gerau

SPP "Climate Engineering: Risks, Challenges, Opportunities?"

Herr Oschlies stellt das DFG-Schwerpunktprogramm 1689 - Climate Engineering: Risks, Challenges, Opportunities? vor. In der Rückschau auf die Entwicklung von der Idee bis zur Bewilligung und Einrichtung des SPP betont er, dass die Stellungnahme „Climate Engineering – Forschungsfragen einer gesellschaftlichen Herausforderung“, die 2012 in Kooperation vom Nationalen Komitee für Global Change Forschung (NKGCF), der DFG-Senatskommission für Ozeanographie und der SK ZAG für den Senat der DFG erarbeitet wurde, sehr hilfreich war.

Nach der Bewilligung des SPP im April 2012 gab es bei der Ausschreibung, die von Mai bis September 2012 lief, eine rege Beteiligung. Seit Juni 2013 läuft nun die Arbeit in den bewilligten Projekten. In der ersten Phase (2013 – 2016) sind 16 Forschungsinstitute an insgesamt 10 Teilprojekten beteiligt, das Finanzvolumen liegt bei 5 Mio. Euro. Das Koordinationsprojekt ist am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel angesiedelt. Die Arbeit im SPP konzentriert sich auf drei Methoden: Reflektierende Aerosole, Aufforstung und Alkalinitätseintrag. Es werden keine Feldversuche durchgeführt sondern den Fragestellungen wird ausschließlich mit Modellierungen nachgegangen. Nach Vorstellung der einzelnen Teilprojekte (s. Website), die in sich alle sehr interdisziplinär angelegt sind, verweist Herr Oschlies auf die große Bedeutung der Öffentlichkeitsarbeit. Er stellt ein Newsportal zu Climate Engineering (s. Links), Flyer und Broschüre des SPP sowie Aktivitäten des Schulprogramms und öffentliche Veranstaltungen vor. Im Anschluss zeigt er Beispiele für bisher durchgeführte Modellierungen, die durchweg zu dem Ergebnis kommen, dass die Verfahren entweder kaum Effekte zeigen oder aber ein Terminierungsproblem haben. Als besondere Herausforderungen für die zukünftige Arbeit nennt er:

  • Entwicklung von Metriken und Argumenten als Grundlage für Bewertung
  • Alle Bewertungen und ggf. Entscheidungen beruhen auf Modellergebnissen: Bedeutung von Unsicherheiten?
  • pro-aktive Information der interessierten Öffentlichkeit

Langfristig ist eine Ausstellung zu Climate Engineering geplant, die ab 2016 im Museum für Naturkunde in Berlin gezeigt werden könnte.

Links:

Website des SPP 1689

Newsportal des Kiel Earth Institute zu Climate Engineering

Stellungnahme von NKGCF, SKO und SK ZAG zu Climate Engineering

Deutsches Komitee für Nachhaltigkeitsforschung in Future Earth

Herr Karte stellt das Deutsche Komitee für Nachhaltigkeitsforschung in Future Earth (DKN) vor, das in der Nachfolge des Nationalkomitees für Global Change Forschung entstanden ist. Das DKN ist Beratungsgremium und nationaler Ansprechpartner für die internationalen Entwicklungen und Aktivitäten im Rahmen des neuen internationalen Forschungsprogramms für globale Nachhaltigkeit Future Earth. Herr Karte gibt zunächst einen Rückblick auf die großen internationalen Programme zur Erforschung des globalen Wandels. Seit etwa 10 Jahren werden im Rahmen dieser Programme Ideen zur stärkeren Zusammenarbeit und zur Entwicklung der Programme hin zu den Themen Nachhaltigkeit und Problemlösung diskutiert. Future Earth soll nun eine Plattform für internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit sein. Ziel ist es, verstärkt integrativ an den großen Herausforderungen zu forschen. In Zukunft werden die Geldgeber stärker Einfluss auf die Programme nehmen und die Kommunikation mit der Gesellschaft wird einen höheren Stellenwert bekommen. Die drei großen Forschungsfelder sind

  • Dynamischer Planet
  • Globale Entwicklung
  • Transformation zur Nachhaltigkeit

Im Rahmen von Future Earth werden sich den Geowissenschaften viele Optionen bieten, sich einzubringen. Voraussetzung wird die Bereitschaft zu neuen Kooperationen sein, z.B. mit Sozialwissenschaften. Momentan wird überlegt, wie die Kernprojekte der noch laufenden Global Change Programme unter dieses neue Dach passen oder außerhalb ihren Weg finden können. Auch eine neue Basis für die Finanzierung wird noch diskutiert. Die kleine Kerngruppe des DKN Future Earth besteht momentan aus folgenden Mitgliedern: Armin Grunwald, Karlsruher Institut für Technologie, KIT (Technological Impact Assessment), Christiane Schmullius, Universität Jena (Geography, Remote Sensing), Wolfgang Lucht, Potsdam Institute for Climate Impact Research (Earth System Modeling), Volkmar Wolters, Justus Liebig Universität Gießen (Biodiversity, Ecology), Karen Pittel, Ludwig-Maximilians Universität München (Environmental and Resource Economics) und als Vorsitzender Martin Visbeck, GEOMAR – Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung Kiel (Oceanography). Ex-Officio Mitglieder sind Bettina Schmalzbauer (Scientific Secretariat DKN Future Earth), Johannes Karte (DFG, Environmental Research) und Christiane Joerk (DFG, Humanities and Social Science).

Links:

DKN Future Earth

Verschiedenes

Vorbehaltlich der Weiterbewilligung der Kommission durch den Senat der DFG wird die 8. Sitzung der SK ZAG am 29. und 30. Oktober 2014 am GFZ in Potsdam stattfinden.

zuletzt geändert am 2015-01-22 09:59:57 durch Dr. Frank Schmieder | Impressum