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DFG-Senatskomission für Zukunftsaufgaben der GeowissenschaftenDFG-Senatskomission für Zukunftsaufgaben der Geowissenschaften
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SK ZAG - Newsletter 03/2012

Nach jeder Sitzung berichtet die Senatskommission für Zukunftsaufgaben der Geowissenschaften (SK ZAG) in einem Newsletter über wichtige Entwicklungen und Entscheidungen. Der Newsletter 03/2012 basiert auf dem Protokoll der 3. Sitzung der SK ZAG, die am 19. und 20. April 2012 in Köln stattfand.

Bericht des Vorsitzenden

Herr Wefer berichtet über verschiedene Aktivitäten aus dem Bereich der Geowissenschaften, die im Wissenschaftsjahr 2012 geplant sind. Das Jahr steht unter dem Motto „Zukunftsprojekt Erde“ und widmet sich dem Thema Nachhaltigkeit.

Der Wissenschaftssommer findet dieses Jahr in Lübeck statt, das als letzte Stadt zur Stadt der Wissenschaft gekürt wurde. Ab 2013 wird es diesen Wettbewerb nicht mehr geben.

In Berlin startete am 30. Mai das Binnenschiff MS Wissenschaft mit einer Ausstellung an Bord. Frau Schavan hat in Berlin das Schiff „getauft“, das bis Mitte Oktober rund 35 Städte anläuft, darunter auch drei Städte in Österreich.

Auf der Website zum Jahr der Wissenschaft können thematisch passende Veranstaltungen als Beitrag angemeldet werden. Nach Begutachtung und Freigabe wird die Veranstaltung dann dort beworben und die tragenden Institutionen werden als Partner gelistet. Als Beispiel nennt Herr Wefer die MARUM-Wanderausstellung MeerErleben zum Thema Ozeane und Meeresforschung, die seit 2009 mit Erfolg durch große deutsche Einkaufszentren tourt und nun nach Prüfung vom BMBF in den Veranstaltungskalender im Jahr der Wissenschaft aufgenommen wurde.

Die GeoUnion plant am 18. und 19. Oktober im gleichen, sehr erfolgreichen Format wie in den letzten Jahren eine Veranstaltung in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Pro Themenblock soll wieder nach 3 bis 4 Vorträgen ausreichend Zeit für eine Podiumsdiskussion zur Verfügung stehen.

Bericht aus der DFG

Herr Lüniger teilt mit, dass die DFG die erfolgreiche Veranstaltung Geosciences in Germany, die im Dezember 2011 während der AGU Tagung durchgeführt wurde, auf der EGU in Wien und auch im Dezember wieder auf der AGU wiederholen möchte. Es wird eine Jobbörse mit aktuellen Ausschreibungen geben und unter dem Motto „Meet the scientist“ auch wieder die Möglichkeit, direkt am Stand mit Wissenschaftlern zu sprechen.

Herr Lüniger berichtet von der Wahl der Fachkollegien. Am 3. Mai fanden die letzte Sitzung der alten und am 4. Mai die konstituierende Sitzung der neuen Kollegien statt. Die Zusammensetzung habe sich etwas verschoben, Details finden sich auf der Internetseite der DFG und in der verschickten Tischvorlage.

Integrated Ocean Drilling Program (IODP)

Herr Erbacher berichtet über die neue Struktur der Ozeanbohrprogramme, die als Nachfolge des 2013 auslaufenden Integrated Ocean Drilling Program (IODP) geplant sind. Unter einem gemeinsamen wissenschaftlichen Schirm wird es ab 2013 drei unabhängige Programme geben, von Seiten der USA gestützt auf JOIDES RESOLUTION, von Seiten Japans mit CHIKYU und von Seiten der anderen Partner (u.a. Deutschlands) im Rahmen des European Consortium for Ocean Research Drilling (ECORD) mit verschiedenen missionsabhängigen Plattformen. Die gemeinsame Science Advisory Structure sieht vor, dass die beim IODP Panel einzureichenden Bohrvorschläge von einem Proposal Evaluation Panel, einem Site Characterization Panel und den technischen Panels begutachtet und dann in einem Pool bohrbarer Vorschläge gesammelt werden, aus dem dann die drei Programme für die jeweilige Plattform geeignete Vorhaben auswählen. Insgesamt sei festzustellen, dass das Programm schlanker und flexibler und damit dann hoffentlich noch effektiver werde.

Herr Erbacher stellt im Anschluss den Bericht des DFG Infrastruktur-Schwerpunktprogramms 527 für den Zeitraum 2003 – 2011 vor und den Antrag auf Fortführung des ISPP und Mitgliedschaft in ECORD und damit im neuen International Ocean Discovery Program (Abk. wieder IODP). Seit 2003 gab es bei den insgesamt 38 IODP Expeditionen 77 deutsche Expeditionsteilnehmer und 5 deutsche Co-Chiefs. Seit 1986 haben insgesamt 182 deutsche Wissenschaftler teilgenommen, von denen 81 nach der Teilnahme eine permanente Stelle im nationalen oder internationalen Wissenschaftsbereich gefunden haben. Im ISPP sind seit 2003 bei 311 bewilligten Anträgen insgesamt 206 Projekte an 33 Instituten gefördert worden. Im Berichtszeitraum entstanden 760 peer-reviewed Publikationen, davon 21 in Nature und 14 in Science. Herr Erbacher gibt einen Überblick über die Expeditionen bis 2013. Im Herbst 2011 startete das neue Workshop Programm MagellanPlus, das gemeinsam von IODP und ICDP gefördert wird. Deadline für Anträge ist jeweils der 1. Februar und der 1. Juli. Als 18. Mitglied ist Polen ECORD beigetreten und Israel steht kurz davor beizutreten.

Herr Lüniger merkt an, dass in der neuen Struktur die Position von ECORD deutlich gestärkt ist und die Partner zukünftig auf Augenhöhe mit den USA und Japan operieren können. Die Höhe der deutschen Beteiligung und in welchem Umfang sich die bisherigen nationalen Partner beteiligen werden, sei momentan Gegenstand der Diskussion.

International Continental Scientific Drilling Program (ICDP)

Herr Oberhänsli berichtet über das International Continental Scientific Drilling Program (ICDP). Im März fand die Diskussion des Antrags auf Fortführung des Schwerpunktprogramms 1006 durch den erweiterten Vorstand und das Präsidium der DFG statt. Ebenfalls im März hat das gemeinsam mit IODP organisierte Kolloquium in Kiel stattgefunden. Von den 208 Teilnehmern kamen 79 aus ICDP, die 11 der 28 Vorträge sowie 38 der 102 Poster beisteuerten. Die im Rahmen des SPP bearbeiteten Forschungsthemen umfassen Paläoklima (37% der Projekte), Tektonik und Petrologie (27%), Vulkanismus und Rifting (18%), Frühes Leben und Tiefe Biosphäre (8%), Ressourcen, hydrothermale Energie und Technologien (8%) sowie Impaktforschung (3%). Das Verhältnis von Universitäten und Großforschungseinrichtungen bei den ohne regionale Schwerpunkte über ganz Deutschland verteilten beteiligten Gruppen ist etwa 3:2. Die Anzahl der Publikationen sei erfreulich hoch. Im Zeitraum 2006 bis 2010 gab es verschiedene Public Outreach-Projekte. Eine Aktion mit einem Flyer und zwei verschiedenen Postern in Naturkundemuseen sei nicht wirklich gelungen. Gut angenommen würden dagegen öffentliche Vorträge über das Bohrprogramm in verschiedenen Kultureinrichtungen, sowie acht selbst produzierte Videos, die auch auf der neuen ICDP-Website abgerufen werden können.

Herr Harms ergänzt, dass die DFG zusammen mit dem GFZ zu gleichen Teilen den Beitrag der Mitgliedschaft im internationalen ICDP Programm finanziert. Nach elf Jahren Verhandlungen sei 2012 nun auch Großbritannien dem ICDP beigetreten. Von den insgesamt 261 Anträgen sind im Jahr 2012 zwölf gestellt worden, neun davon mit deutscher Beteiligung. Es wurden bisher 28 Bohrprojekte und 55 Workshops durchgeführt. Momentan sind drei Workshops und weitere acht Bohrungen in Planung. Für die Zeit ab 2013 solle nun ein neuer Science Plan erarbeitet werden. Es zeichne sich bereits ab, dass es bei den Schlüsselthemen eine deutliche Überlappung mit IODP Projekten geben werde. Die beiden Bohrprogramme diskutieren momentan Ideen zur gemeinsamen Begutachtung von solchen programmübergreifenden Bohrvorschlägen, wie etwa gemeinsame Tagungen der begutachtenden Gremien. Herr Harms weist auf den nächsten ICDP Trainingskurs hin, der im Oktober 2012 bei Bohrarbeiten am Lake Ohrid in Mazedonien stattfindet.

Bericht über das Rundgespräch „Satellitenmission SWARM“

Herr Lühr berichtet über das Rundgespräch „Satellitenmission SWARM“, das am 12. April stattfand. Das Rundgespräch ist von Seiten der DFG von Herrn Remes begleitet worden. Bei diesem Gespräch sollten die Möglichkeiten zur wissenschaftlichen Nutzung der Potentialfeld-Mission SWARM ausgelotet werden. Die ESA Mission SWARM umfasst eine Flotte von drei CHAMP-ähnlichen Satelliten, die die Erde auf unterschiedlichen Orbits umkreisen. Zum Rundgespräch wurde je ein internationaler Experte zu den vier geowissenschaftlichen Schwerpunkten eingeladen, zu denen die Mission Beiträge liefern wird: Geomagnetismus, Magnetosphäre und Space Weather, Inonosphäre und Thermosphäre sowie Geodäsie und Geowissenschaften. Zu diesen vier Themengebieten fanden in kleineren Gruppen Sitzungen statt, die Vorschläge für die anschließende gemeinsame Diskussion ausarbeiteten. Der Bericht zum Rundgespräch findet sich auf der Website der Geokommission. Basierend auf den herausgestellten Fragestellungen beabsichtigen die Teilnehmer des Rundgesprächs in den kommenden Monaten unter Leitung des SWARM Projektbüros Deutschland einen Antrag auf Einrichtung eines DFG Schwerpunktprogramms mit dem Titel „Studium der globalen Dynamik mit Hilfe einer Konstellation aus Potentialfeld-Missionen“ einzureichen.

Deutsches Forschungsbohrkonsortium GESEP e.V.

Herr Harms berichtet über die aktuellen Schwerpunktthemen von GESEP. Der Verein wurde gegründet als eine Kooperation wissenschaftlicher Einrichtungen mit Interesse und Beteiligung an Forschungsbohrungen im Meer, auf Land und im Eis. Spezifische Ziele von GESEP sind ein einheitliches Daten- und Probenmanagement, gemeinsame Projekte, Weiterbildung und Training, die Entwicklung von Geräten und Technologien sowie eine gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit. GESEP hat mittlerweile 15 über ganz Deutschland verteilte Mitglieder. Am 6. und 7. März 2012 fand im Rahmen des DFG-Kolloquiums IODP/ ICDP in Kiel die GESEP School 2012 statt zum Thema „Wissenschaftliches Bohren im Licht neuer Nutzungskonzepte des Untergrunds: Geothermie, Schiefergas, Methanhydrat, CO2-Sequestration". Mit den möglichst praxisnah ausgerichteten Kursen richtet GESEP sich vor allem an junge Geowissenschaftlerinnen und Geowissenschaftler, denen Grundlagen des wissenschaftlichen Bohrens vermittelt werden sollen. Von den 26 Teilnehmern kamen etwa die Hälfte aus „Nicht-GESEP-Einrichtungen“. Im März 2013 wird die nächste GESEP School zum Thema „Drilling Engineering“ in Freiberg stattfinden.

Ein zentrales Thema von GESEP ist weiterhin der Aufbau des Dateninformationssystems für die im Aufbau befindlichen Kernlager bei der BGR-Außenstelle in Berlin-Spandau und am MARUM in Bremen. Angestrebt ist die Einführung dauerhafter Identifikationsnummern für alles Probenmaterial, die – ähnlich einer doi – die nachhaltige Nutzung von Daten und Proben sicherstellen soll (International GeoSample Number, IGSN). Dieses gemeinsam von MARUM, GFZ und BGR beantragte Vorhaben wird von der DFG im Rahmen des Programms „Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme“ (LIS) gefördert. Auf einer MARUM-Expedition mit FS MERIAN wurde kürzlich eine Testversion von ExpeditionDIS eingesetzt und für die GeoB-Kernnahmen getestet. Das System soll auch bei ozeanographischen Fahrten eingesetzt werden und so an möglichst viele Anforderungsprofile angepasst werden. Ein Zwischenbericht wird noch im April 2012 abgegeben. Anfang Mai startet dann der Testlauf des CurationDIS in Berlin-Spandau. Die Fertigstellung des dortigen Kernlagers verzögert sich etwas. Zur Zeit wird das dortige Kuratorium aufgebaut, Im Juli und August ist dann für die BGR Mitarbeiter eine Schulung und die Einarbeitung geplant.

GESEP hat bei folgenden Tagungen projektbezogene Posterpräsentationen durchgeführt: ILIC im August 2011 in Konstanz, AGU im Dezember 2011 in San Francisco, Geo.X Symposium im September 2011 in Potsdam und ICDP/ IODP Kolloquium im März 2012 in Kiel.

Am 1. Februar 2012 fand in Braunschweig ein GESEP-Workshop zur Entwicklung eines Lockersediment-Bohrgeräts statt. Ziel ist die Weiterentwicklung der 15-Meter-See-Bohrgeräte, z.B. mit einem In-Loch-Hammer, um harte Zwischenlagen wie Tuffite oder Kies zu durchstoßen. Bei der Entwicklung eines Soft-Sediment Coring Tools ist eine enge Kooperation mit C2FN, dem französischen Pendant zu GESEP geplant. Bis Herbst 2012 soll ein Großgeräteantrag ausgearbeitet werden.

GESEP plant die Anschaffung eines Hand-Diamant-Kernbohrgeräts für Hartgestein, das dann für Exkursionen und Feldarbeiten ausgeliehen werden kann.

Vorsitzender im neuen GESEP-Vorstand ist Ullrich Harms (GFZ), Stellvertreter sind Jörg Pross (Universität Frankfurt) und Jochen Erbacher (BGR), Schatzmeister ist Volker Wittig (Internationales Geothermiezentrum Bochum).

Aufbau einer gemeinsamen geowissenschaftlichen Fachgesellschaft

Herr Littke berichtet zu den Bestrebungen der Schaffung einer gemeinsamen geowissenschaftlichen Fachgesellschaft (s. Newsletter 01/2011 und 02/2011).

Die Zersplitterung der Geowissenschaften in viele kleine Gesellschaften, die heute eine schlagkräftige Arbeit erschwere, habe vor allem auch historische Gründe. Die Aufteilung in Deutsche Gesellschaft für Geowissenschaften (DGG), Geologische Vereinigung (GV), Deutsche Mineralogische Gesellschaft (DMG), Deutsche Paläontologische Gesellschaft und Deutsche Geophysikalische Gesellschaft (DGG) sei auch vor dem Hintergrund des mittlerweile zusammengefassten geowissenschaftlichen Studiums nicht zeitgemäß und behindere mögliche Synergien. Ein gemeinsamer Dachverband könne z.B. auch besser als Ansprechpartner für die Bevölkerung agieren, etwa aktuell bei Fragen zum Thema Fracking. Auch veranstalte jede der Gruppierung mit großem organisatorischen Aufwand eine Jahrestagung. Sinnvoller wären Gemeinschaftstagungen, die von einem gemeinsamen Koordinationsbüro organisiert werden, von dem alle Beteiligten auch anderweitig im Bereich der Logistik profitieren könnten. Ende 2011 haben sich Vertreter der einzelnen Gesellschaften getroffen, um mögliche Szenarien zu diskutieren. Alle seien der Meinung, dass ein gemeinsamer Dachverband notwendig sei und dieses Vorhaben aus verschiedenen Gründen nicht innerhalb der GeoUnion möglich sei. Eine Vollfusion aller Verbände sei aber zunächst vom Tisch. Die GV und die Deutsche Gesellschaft für Geowissenschaften würden eine solche Fusion begrüßen, Bedenken kämen aber aus den Reihen der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft und vor allem aus der DMG. Diskutiert würden zur Zeit vorrangig folgende Fragen:

  • Was soll der Dachverband leisten, insbesondere hinsichtlich von Verpflichtungen, die über die Aktivitäten der GeoUnion hinausgehen?
  • Wie soll der Dachverband organisiert sein? Vorstand und Beirat sollten eine möglichst umfassende Kompetenz in allen Bereichen der Geowissenschaften haben, gleichzeitig sollten die Vertreter aber wählbar sein, was unter Umständen dazu führen könne, dass eben nicht alle Fachrichtungen vertreten sind.
  • Wie kann die Finanzierung aussehen? Ist – im Gegensatz zur GeoUnion, wo nur die Verbände Mitglied sind – eine direkte Mitgliedschaft von Personen möglich? Die 5 Verbände haben zusammen etwa 7.000 Mitglieder, was bei einem Jahresbeitrag von 20 Euro ein Budget von 140.000 Euro ergeben würde.
  • Wie können die BGR und andere Großforschungseinrichtungen eingebunden werden?

Insgesamt stehe man vor einem langen Diskussionsprozess. Anregungen seien willkommen, auch direkt in die an der Diskussion beteiligten Vereine hinein. Es werde iterativ an einer Satzung für den Dachverband gearbeitet.

Parallel zu diesen Diskussionen werde momentan auch überlegt, wie zunächst die Deutsche Gesellschaft für Geowissenschaften und die GV fusionieren können. Beispiele für Möglichkeiten gemeinsamer Aktivitäten seien Tagungen oder auch die Einrichtung einer gemeinsamen Geschäftsstelle.

Die SK ZAG unterstützt weiterhin die Bemühungen, einen gemeinsamen Dachverband der geowissenschaftlichen Vereine zu gründen. Herr Wefer verweist in diesem Zusammenhang auf das Büro des Konsortiums Deutsche Meeresforschung (KDM), mit dem es gelungen sei, eine schlagkräftige Vertretung der Meereswissenschaften auf nationaler und internationaler Ebene zu etablieren. Nach diesem Vorbild könne das auch für die Geowissenschaften gelingen.

Aktueller Stand Hochleistungs-Beschleuniger-Massenspektrometer (AMS) in Köln

Herr Hinderer berichtet von der Frühjahrssitzung des AMS-Beirats, die am 23. März stattfand. Mit der Preisgestaltung, der ein internationaler Vergleich zugrunde liege, sei das Nutzungskonzept fertiggestellt worden und so könne nun der Übergang in die Betriebsphase erfolgen.

Herr Melles gibt anschließend einen Überblick über die Geschichte des Aufbaus des AMS in Köln von der Antragstellung im Jahr 2007 bis zur Inbetriebnahme 2011. Das AMS sei trotz zwischenzeitlicher Probleme weitgehend termingerecht und ohne Probleme in Betrieb genommen worden. Zum Erfolg hätte das Engagement der Universitätsleitung und der beteiligten Institute der Universität Köln erheblich beigetragen. Deutlich verzögert habe sich leider die Fertigstellung der Probenaufbereitungslabore, es sei aber einen Interimslösung gefunden worden. Mit der Fertigstellung der Labore werde 2014 gerechnet. Das Personalkonzept sei weitestgehend umgesetzt und habe sich bewährt. Das Nutzungskonzept sei tragfähig und so sei damit zu rechnen, dass das AMS in Köln die Erwartungen erfüllen werde.

Im Anschluss hält Herr Dunai einen wissenschaftlichen Vortrag zum Thema „In-situ produzierte kosmogene Nuklide in den Geowissenschaften: Grundlagen und Anwendungen“. Anhand von drei Beispielen zeigt er neue Möglichkeiten auf, mithilfe der Analyse kosmogener Nuklide Oberflächenprozesse zu datieren und zu quantifizieren.

Bericht über das Rundgespräch „Georisiken und Frühwarnsysteme“

Frau Sester berichtet vom Rundgespräch „Georisiken und Frühwarnsysteme“. Das Gespräch hat auf Initiative des Koordinierungsausschusses GEOTECHNOLOGIEN und der SK ZAG am 28. November 2011 stattgefunden. Nach einer kurzen Darstellung des Forschungsbedarfs auf verschiedenen Feldern durch die Teilnehmer wurde die Diskussion zunächst in drei Arbeitsgruppen fortgeführt: Terrestrische Naturgefahren, Wasser- und Küstenschutz sowie Erdfälle, anthropogene Risiken und Vulkane. Frau Sester stellt die Ergebnisse der Diskussionen anhand einiger Beispiele vor. Auf der Basis der Ergebnisse der AGs seien anschließend einige Eckpunkte für den geplanten Ausschreibungstext formuliert worden. Vorgeschlagen werde, sich auf Gefährdungen zu konzentrieren, die für Deutschland direkt relevant sind oder aber deutsche Technologien herausfordern. Die Projekte sollten dabei deutlich über die bisherige Forschung hinausgehen. Als Schwerpunkte wurden (a) Sensor- und Beobachtungstechnologien, (b) Informationstechnologien sowie (c) Modellentwicklungen definiert.

Bericht über das Rundgespräch „Fach- und skalenübergreifende Untersuchung von Prozessen in Geosystemen“

Herr Jurasinski berichtet vom Rundgespräch „Fach- und skalenübergreifende Untersuchung von Prozessen in Geosystemen“, das vom 6. bis 8. Oktober 2011 in Weimar stattgefunden hat. Er dankt im Namen aller Teilnehmer der DFG für die Förderung und der SK ZAG für die Unterstützung. Nach einem sehr interessanten Einstieg über ein Motivationsreferat von Herrn Glatzel von der Universität Rostock, haben sich nach der Zuordnung des eigenen Forschungsfelds in Zeit- und Raumskala zwei Gruppen gebildet.

Die erste Gruppe beschäftigte sich mit Möglichkeiten und Anforderungen Interdisziplinärer Forschung aus Sicht des GeoNachwuchses. Die Ergebnisse der Gruppenarbeit werden momentan noch aufgearbeitet und sollen in eine Publikation in Gmit münden. Die Diskussionsteilnehmer sehen interdisziplinäre Forschung beim Nachwuchs nicht als ein kontroverses Thema, Schwierigkeiten ergäben sich aber bei der Eingliederung in bestehende Strukturen und Karrieremöglichkeiten. Interdisziplinäre Forschung habe den Sinn, Antworten auf fachübergreifende Fragestellungen zu suchen und einen Erneuerungsprozess der Wissenschaft in Gang zu setzen. Häufig blieben die Projekte jedoch multidisziplinär, was oft schon in deren Konzeption so angelegt sei. Als sehr wichtig erachten die Teilnehmer die möglichst frühzeitige Erarbeitung einer gemeinsamen Terminologie.

Die zweite Gruppe entwickelte eine Idee für eine gemeinsame Antragsskizze (The matter of archives – Linking different climate archives for better climate reconstruction). Im Anschluss an das Rundgespräch fand dazu Mitte März noch eine Telefonkonferenz statt und am 10./11. Mai wolle man auf dem von der Humboldt-Universität Berlin geförderten Workshop „Understanding (palaeo)environmental records – proxies and processes“ das entstandene Netzwerk mit interessierten Teilnehmern des Workshops erweitern. Bisher sei die Idee eines Vorantrags als Testballon entwickelt worden, im Rahmen dessen durch einen interdisziplinären Ansatz die Aussagekraft von glaziologischen, terrestrischen und marinen Klimaarchiven verbessert werden soll. Als Untersuchungsgebiet soll eine Schlüsselregion mit topographischem Gradienten ausgewählt werden, in der die genannten verschiedenen Archive vorhanden sind.

Die SK ZAG begrüßt das Engagement der Arbeitsgemeinschaft Geowissenschaftlicher Nachwuchs und ermutigt dazu, die Arbeiten fortzusetzen.

Herr Jurasinski teilt mit, dass Herr Sasgen neuer German Representative im YES-Netzwerk ist.

Stellungnahme der Kommission zum Thema „Climate Engineering“

Herr Wefer verweist auf die als Tischvorlage verschickte Stellungnahme zu Climate Engineering. Der Senat der DFG hatte den Wunsch geäußert, zu diesem Themenbereich durch die betroffenen Gremien beraten zu werden, namentlich durch das Nationale Komitee für Global Change Forschung (NKGCF) sowie die DFG-Senatskommission für Ozeanographie (SK OZ) und die SK ZAG (s. auch Newsletter 01/2011 und 02/2011). In dem Papier wird auf den Forschungsbedarf zu Climate Engineering hingewiesen. Der Fokus dieser Forschung müsse klar auf der Bewertung der unterschiedlichen Maßnahmen liegen, insbesondere auch unter Berücksichtigung ethisch/moralischer, rechtlicher und politischer Aspekte. Von Seiten der DFG wurde sehr gewürdigt, dass die drei Kommissionen in dieser kurzen Zeit eine so umfassende Stellungnahme erarbeitet haben. Der Senat hat sich dem Papier voll und ganz angeschlossen und es wurde mit kleinen redaktionellen Änderungen auf der Website der DFG veröffentlicht.

Status der BGR-Endlagerforschung

Herr Bräuer berichtet zum Status der Endlagerforschung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Er erläutert zunächst, wie sich bei der Endlagerforschung in Deutschland die Zuständigkeiten verteilen. Auf der Weisungsebene sind zuständig: das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) für anwendungsorientierte Grundlagenforschung, das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) für Kompetenzerhalt, Fortbildung und institutionelle Forschung sowie das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) für standortbezogene Forschung. Konzeptentwicklung und Koordination liegen beim Projektträger, der BGR und beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Die Projekte und Forschungsarbeiten werden an Großforschungsinstituten, verschiedenen Forschungseinrichtungen und auch bei der BGR durchgeführt.

Als Beispiele für standortbezogen Forschung zeigt Herr Bräuer Ergebnisse von Untersuchungen des Kriechverhaltens im Salzstock Gorleben die zeigen, dass im Salz nicht vorrangig der Volumenanteil einer Verunreinigung, sondern vor allem gröbere Verunreinigungen zu höherem Kriechvermögen führen. Ebenfalls am Beispiel von Gorleben stellt er die Weiterentwicklung der EMR-Methode vor, mit der die Eindringtiefe des Verfahrens verdreifacht worden ist. Untersuchungen von Bohrkernen aus Gorleben zeigen, dass weitere Forschung zu Ursprung, Zusammensetzung und Volumina von Kondensaten notwendig ist, um abzuschätzen, welche Konsequenzen diese Kondensate für die Langzeitsicherheit des Salzstocks haben.

Im Bereich der anwendungsorientierten Grundlagenforschung gibt es eine enge internationale Zusammenarbeit. So ist die BGR auch an verschiedenen Untertage-Laboren in Europa beteiligt, in denen die Eignung von kristallinen Gesteinen oder – schwerpunktmäßig bei der BGR – Tongestein zur Endlagerung erforscht wird. Als Beispiele für diese Forschungen stellt Herr Bräuer Ergebnisse eines kombinierten Einsatzes von Permeabilitätsmessungen und Bohrloch-Ultraschallmessungen, Untersuchungen zum Einfluss des Karbonatgehalts auf die Bruchfestigkeit verschiedener Tongesteine sowie das Projekt „idealer Bentonit“ vor.
Herr Bräuer weist darauf hin, dass bei der Endlagerforschung der BGR dem Qualitätsmanagement eine enorme Bedeutung zukommt, vor allem vor dem Hintergrund der langen Laufzeiten der Planfeststellungsverfahren und der Bedeutung der Daten- und auch Probensicherung sowie zur Einhaltung von Rechtsgrundlagen, Richtlinien und Regeln der Technik. Am Beispiel des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses Gorleben erläutert er, wie arbeitsaufwendig die notwendigen Maßnahmen sind. Für diesen Untersuchungsausschuss wurden die Akten und Dokumente in 1262 PDF-Dateien bereitgestellt, insgesamt 165.613 Seiten gedruckt, 512 Akten manuell paginiert und alles in 204 Ordnern geliefert. Auch für den Laborbetrieb, dessen Rahmenbedingungen nach DIN vorgegeben sind, wird ein aufwendiges Qualitätsmanagement durchgeführt. Intern findet jedes Jahr ein Audit statt, alle drei Jahre eine externe Zertifizierung durch das BfS.

Im Ausblick erläutert Herr Bräuer die zukünftigen Aufgaben der BGR bei der Endlagerforschung, die sich im Bereich der Wirtgesteinscharakterisierung schwerpunktmäßig mit Tongestein und hinsichtlich der Langzeitsicherheit mit Salz- und Tongestein beschäftigen werden. Den vom ihm abschließend vorgestellten Endlager-Fahrplan von Bund und Ländern hält die SK ZAG für sehr ambitioniert. Es wird angeregt, zum Thema Endlagerung ein Rundgespräch zu initiieren, mit dem Ziel, ein Statuspapier zu diesem Thema zu erarbeiten. Die SK ZAG wird sich auf Ihrer nächsten Sitzung die Vorbereitung des Rundgesprächs weiter konkretisieren.

Ideen für Rundgespräche

Frau Dransch stellt einen Vorschlag für ein Rundgespräch zum Thema „Datengetriebene Forschung in den Geowissenschaften“ vor. In Abwesenheit von Frau Dransch diskutiert die Kommission den Vorschlag und befürwortet die Durchführung eines Rundgesprächs.

Herr Sander stellt einen Vorschlag für ein Rundgespräch zum Thema „Transdisciplinary Palaebiology of Fossil Tetrapods“ vor. In Abwesenheit von Herrn Sander diskutiert die Kommission den Vorschlag und befürwortet die Durchführung eines Rundgesprächs

Verschiedenes

Herr Brückner weist auf den 32. Internationalen Geographenkongress, der vom 26. bis 30. August 2012 in Köln stattfindet:

Herr Karte weist auf zwei Ausschreibungen der DFG im Rahmen der Global Change Forschung hin (Freshwater Security und Coastal Vulnerability).

Die 4. Sitzung der SK ZAG findet am 22. und 23. Oktober 2012 in Hitzacker bei Gorleben statt.

zuletzt geändert am 2014-12-02 08:58:59 durch Dr. Frank Schmieder | Impressum