SK-ZAGDFG SK-ZAG

DFG-Senatskomission für Zukunftsaufgaben der GeowissenschaftenDFG-Senatskomission für Zukunftsaufgaben der Geowissenschaften
  1. Start >
  2. ..... >
  3. 1 – Bedeutung und Aufgaben der Geowissenschaften >
  4. 1.4 – Zukünftige Herausforderungen für die Geowissenschaften

1.4 – Zukünftige Herausforderungen für die Geowissenschaften

Die Geowissenschaften befinden sich in einer Phase, die von einem raschen Wissensfortschritt geprägt ist. Lehrbücher der Geowissenschaften sehen heute völlig anders aus als noch vor wenigen Jahrzehnten.

In vielen Teilgebieten sind in naher Zukunft grundlegende neue Erkenntnisse zu erwarten. Dank dieses Wissensfortschritts werden sich Umweltveränderungen und Naturkatastrophen besser vorhersagen lassen. Die neuen Erkenntnisse werden es zudem erlauben, neue Rohstoffvorkommen zu erschließen und diese Ressourcen umweltfreundlicher zu nutzen als bisher. Eine intensive und breite geowissenschaftliche Forschung ist daher für eine moderne Industrienation unverzichtbar.

Vorhersage von Umweltveränderungen und Naturkatastrophen

Deutschland hat eine sehr starke Tradition in den Geowissenschaften. Die Kontinentaldrifttheorie von Alfred Wegener war ein Vorläufer der heute allgemein akzeptierten Theorie der Plattentektonik. Ein modernes Beispiel für die Exzellenz und internationale Wertschätzung deutscher geowissenschaftlicher Forschung sind die in Deutschland entwickelten APX- und Mößbauer-Spektrometer an Bord der Mars-Rover-Fahrzeuge der NASA. Deutschland ist auch in zahlreichen internationalen Verbundprojekten federführend, etwa im kontinentalen Tiefbohrprogramm oder in Satellitenmissionen wie GRACE.

Beunruhigend ist jedoch die Situation der Geowissenschaften an deutschen Universitäten. Die Universitäten sind für die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses und für die Sicherung einer breiten Grundlagenforschung unverzichtbar. Leider wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche geowissenschaftliche Standorte an deutschen Universitäten komplett geschlossen. Viele andere Standorte leiden unter einem massiven Verlust an Personal und Sachmitteln. Da eine moderne geowissenschaftliche Ausbildung jedoch immer auf ein Gesamtverständnis des Systems unserer Erde abzielt und dieses Systemverständnis nur durch die enge Zusammenarbeit verschiedener Teildisziplinen erreicht werden kann, ist somit an vielen Standorten nur noch ein Bruchteil der eigentlich notwendigen Lehrkapazität vorhanden. In der Forschung fehlt oft die kritische Masse für moderne, interdisziplinär angelegte Projekte in der Erdsystemforschung. Die Situation wird erschwert, weil bestimmte Instrumente der Forschungsförderung, wie etwa die Sonderforschungsbereiche der DFG, für viele Standorte wegen der geringen Personalstärke nicht mehr zugänglich sind.

Situation an den Universitäten

Ein weiteres spezifisches Problem der Geowissenschaften an den Universitäten ist die oft unzureichende Ausstattung mit Großgeräten, Laborräumen und technischem Personal. Die vorhandene Ausstattung orientiert sich oft noch am Bedarf lange vergangener Jahrzehnte, als die Geowissenschaften weitgehend deskriptiv ausgerichtet waren. Moderne geowissenschaftliche Forschung erfordert aber eine apparative Ausstattung, die vergleichbar ist mit der in der physikalischen Chemie oder der Experimentalphysik.

Der Bedarf an Geowissenschaftlern wird in Zukunft steigen. Geowissenschaftler werden gebraucht, um den globalen Wandel zu bewältigen, um neue Technologien wie die unterirdische Speicherung von CO2 auszubauen und um verstärkt nach neuen Rohstoffvorkommen zu suchen. Damit Geowissenschaftler eine moderne Ausbildung erhalten und Deutschland den Anschluss an die internationale Spitzenforschung nicht verliert, ist ein Ausbau der Geowissenschaften an den Universitäten dringend notwendig. Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sollte hierbei besonders berücksichtigt werden, insbesondere durch die Einführung von Juniorprofessuren mit Tenure-Track.

Arbeitsmarkt

Geowissenschaftliche Grundkenntnisse werden an deutschen Schulen meist nur unzureichend vermittelt, da Geographie in einigen Bundesländern mittlerweile leider als rein sozialwissenschaftliches Fach betrachtet wird. Geographielehrer haben oft keine naturwissenschaftliche Grundausbildung mehr, die zum Verständnis der Geowissenschaften unerlässlich ist. Kenntnisse der Erdgeschichte sind aber für das menschliche Selbstverständnis nicht weniger wichtig als die Kulturgeschichte der Menschheit. Ein modernes naturwissenschaftliches Weltbild ist ohne den Beitrag der Geowissenschaften unvollständig. Um den Klimawandel zu begrenzen, wird jeder einzelne Bürger seinen persönlichen Lebensstil einschränken und andere Belastungen in Kauf nehmen müssen. Diese Veränderungen werden nur dann politisch akzeptiert werden, wenn die breite Mehrheit der Bevölkerung ein solides Grundverständnis davon hat, wie unsere Umwelt und unser Planet funktionieren. Hierfür ist eine angemessene Berücksichtigung der Geowissenschaften in den Schulen notwendig, entweder als Teil des Unterrichts in Geographie und in den Naturwissenschaften oder als separates Schulfach in einzelnen Jahrgangsstufen.

Geowissenschaften an Schulen

zuletzt geändert am 2014-08-26 11:05:00 durch Jana Stone | Impressum